Das Projekt Digitale Dörfer als Ökosystem-Lösung für das Land

Das Projekt »Digitale Dörfer« oder »Wie wir am Fraunhofer IESE mit Digitalisierung Chancen für den ländlichen Raum schaffen«

Lange standen vor allem Städte beim Thema Digitalisierung im Fokus, doch dieser verlagert sich mehr und mehr in Richtung ländlicher Räume – gefördert durch ein wachsendes Spektrum in der Förderlandschaft, das speziell auf die Gleichstellung der Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen ausgerichtet ist. Welche Chancen die Digitalisierung für den ländlichen Raum schaffen kann, wurde durch das Projekt »Digitale Dörfer« deutlich, das bereits im Sommer 2015 startete und im Juni 2021 endete. Die Anfänge, den Verlauf sowie die Erfolge dieses Projekts wollen wir in diesem Blog-Beitrag zusammenfassen und rückblickend betrachten.

Die Digitalen Dörfer als Initiative zur Förderung der Digitalisierung auf dem Land

Das, vom Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz, dem Fraunhofer IESE und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz geförderte Projekt »Digitale Dörfer« startete mit dem Ziel, die Herausforderungen des heutigen Lebens in ländlichen Regionen in Bezug zur Digitalisierung zu untersuchen. Seitdem entstanden im Projekt Konzepte und Lösungen, die die Chancen einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Themas der Digitalisierung im Sinne eines Digitalen Ökosystems aufzeigen.

Gemeinsam mit drei rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinden (Betzdorf-GebhardshainEisenberg und Göllheim) wurden mithilfe verschiedener Formate, zu denen alle interessierten Bürger*innen eingeladen waren, Herausforderungen ermittelt und Schwerpunkte für die später entwickelten Lösungen festgelegt. Bürger*innen wurden dazu aufgerufen, vom Prozess der Ermittlung potenzieller Herausforderungen bis zur Evaluation der entstandenen Lösungen mitzuwirken, um so direkten Einfluss auf die digitalen Lösungen nehmen zu können.

Überblick über die einzelnen Projektphasen im Projekt »Digitale Dörfer«

In der ersten Phase des Projekts lag der Schwerpunkt auf den Themen »Nahversorgung« und »Ehrenamt«, in der zweiten Phase auf den Themen »Kommunikation« und »Dorfleben«. Die während der einzelnen Projektphasen entstandenen Prototypen wurden erprobt und mithilfe der Bürger*innen weiterentwickelt. Mit dem Schwerpunkt der Verstetigung der Lösungen beschäftigten sich die am Projekt Beteiligten dann schließlich in der dritten Phase.

Die Digitalen Dörfer auf Expansionskurs

Es hat sich gezeigt, dass die entwickelten Lösungen nicht nur für Gemeinden in Rheinland-Pfalz von Interesse sind, sondern auch andere ländlich geprägte Regionen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Durch das große Interesse, vor allem an den Kommunikationslösungen wie der App DorfFunk, haben sich die Lösungen über die letzten Jahre im gesamten Bundesgebiet verbreitet.

Die Digitalen Dörfer als Digitale Ökosystem-Lösung

Zudem hat sich aus den im Projekt entwickelten Einzellösungen eine Art Digitales Ökosystem – bestehend aus digitalen Lösungen und Prototypen in den Bereichen Nahversorgung, Kommunikation, Verwaltung und Mobilität – entwickelt. Die Digitale-Dörfer-Plattform bringt Regionen mit ähnlichen Herausforderungen zusammen und ermöglicht zugleich die Integration weiterer Lösungen.

Die Digitalen Dörfer als Mittel der digitalen Kommunikation in Krisenzeiten

Insbesondere im Zuge der COVID-19-Pandemie zeigte sich deutlich, wie wichtig digitale Kommunikation ist – z. B., um schnell Informationen zu verbreiten und sich in der Region zu vernetzen, sodass u. a. Nachbarschaftshilfe ermöglicht werden kann. Angesichts der massiven Einschränkungen für die Bevölkerung als Folge der Pandemie entschloss sich das Ministerium des Inneren und und für Sport, die Potenziale der digitalen Kommunikation zu nutzen und stellte die DorfFunk-App im April 2020 allen Gemeinden in Rheinland-Pfalz kostenfrei zur Verfügung. Kurz darauf wurde im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Versicherungskammer Bayern auch der BayernFunk in ganz Bayern ausgerollt. Auch andere Bundesländer, wie Schleswig-Holstein (in Kooperation mit der Sparkasse) und die Landesgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, boten ihren Bürger*innen schließlich die kostenfreie Nutzung der Lösung DorfFunk an.

Darüber hinaus kann die Nutzung der App DorfFunk als Sprungbrett für weitere Lösungen wie die DorfPage dienen und so einen Einstieg in das Thema Digitalisierung im ländlichen Raum ermöglichen.

Die starke Verbreitung der Lösungen im Rahmen der landesweiten Rollouts, aber auch im Zuge verschiedenster Projekte, ermöglicht die kontinuierliche Weiterentwicklung der Lösungen, von der alle Beteiligten des Ökosystems Digitale Dörfer profitieren. So diente z. B. der kostenfreie Roll-out der App DorfFunk in einigen Gemeinden als eine Art Kostprobe, die den Dorfbewohner*innen Lust auf weitere digitale Lösungen wie die DorfPage machten und diese somit verstärkt für das Thema »Digitalisierung im ländlichen Raum« begeistert werden konnten.

Die Digitale-Dörfer-Lösung »DorfFunk« in Zahlen

Die Zahl der Nutzer*innen des DorfFunks beläuft sich derzeit deutschlandweit auf knapp 90.000. Dabei ist die Hauptnutzergruppe zwischen 31 und 60 Jahren alt. Die Erwartung an die Kommunikationslösung DorfFunk ist neben der Informiertheit die Schaffung neuer Kontakte zu Menschen aus der Region und die Verbesserung bzw. Stärkung der Nachbarschaftshilfe. Wahrgenommen wurden von neuen Nutzer*innen sowie von Nutzer*innen, die den DorfFunk bereits vor der COVID-19-Pandemie installiert hatten, vor allem die Effekte der Informiertheit und der Stärkung der Nachbarschaftshilfe. Dies wurde im Rahmen einer Umfrage ermittelt, die sich an die Nutzenden des DorfFunks richtete und von April bis September 2020 geschaltet wurde.

Fazit

Wie unsere Einblicke in die Welt der Digitalen Dörfer zeigen, bieten die Digitalen Dörfer diverseste Optionen, um die Digitalisierung im ländlichen Raum umzusetzen. Durch die Möglichkeit der Nutzung einzelner Lösungen (Baukastensystem) machen sie es jeder Kommune, Institution oder Vereinigung möglich, die Digitalisierung voranzutreiben. Wichtig ist dabei aber immer das Engagement der Kommunen selbst sowie engagierter und treibender Personen vor Ort. Denn jede digitale Lösung lebt von einer aktiven (physischen) Gemeinschaft.

Sie wollen mehr zu den »Digitalen Dörfern« erfahren? – Dann haben wir hier noch weitere Tipps für Sie!

 

Morgen Denker-Podcast (Fraunhofer IESE)

 

Hören Sie unbedingt auch in unseren MORGEN DENKER-Podcast zum 25. Jubiläum des Fraunhofer IESE rein. Dort erfahren Sie, was genau die ganzheitliche Betrachtungsweise der Digitalisierung im Sinne eines Digitalen Ökosystems als Kern des Projekts »Digitale Dörfer« ausmacht.

 

Darüber hinaus stehen Ihnen außerdem weitere Informationen zu den »Digitalen Dörfern« in unserem Blog unter folgenden Links bereit:

 

 

Bei Fragen und/oder Anregungen kontaktieren Sie gerne auch unsere Expertin Annika Meier.

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