Cookie-Banner nerven. Datenschutzerklärungen liest kaum jemand. Datenschutzeinstellungen sind über unzählige Webseiten, Apps und digitale Dienste verteilt. Und irgendwann weiß niemand mehr, welchem Anbieter welche Datenverarbeitung erlaubt wurde. Das ist nicht nur ein Komfortproblem: Es ist ein Problem digitaler Selbstbestimmung.


Wer heute online ist, nutzt zahlreiche Plattformen, Shops, Gesundheitsdienste, Mobilitätsangebote und andere datengetriebene Services. Überall entstehen personenbezogene Daten. Selbst wenn einzelne Anbieter gute Möglichkeiten zur Verwaltung von Datenschutzeinstellungen bieten, bleiben diese über viele verschiedene Dienste verteilt. Den Überblick über Einwilligungen, Widersprüche und gespeicherte Präferenzen dauerhaft zu behalten, ist praktisch unmöglich.

Genau hier setzt unser neues, vom BMFTR gefördetes Forschungsprojekt ddpp (Decentralized Data Privacy Protocol) an, das wir gemeinsam mit der Universität des Saarlandes durchführen. Ziel ist ein offenes Webprotokoll, mit dem Datenschutzpräferenzen dienstübergreifend verwaltet werden können. Privacy by Default soll damit nicht nur ein rechtliches Leitprinzip bleiben, sondern praktisch nutzbar werden.

Datenschutzpräferenzen an einem selbst gewählten Ort

Die Grundidee von ddpp ist einfach: Menschen sollen die Datenschutzpräferenzen für alle ihre digitalen Dienste an einem Ort ihrer Wahl verwalten können.

Dafür entwickelt das Projekt den Personal Privacy Preferences Place (P4). Dort können Nutzerinnen und Nutzer ihre Präferenzen zentral verwalten. Digitale Dienste können diese Präferenzen direkt berücksichtigen oder über einen Privacy Preferences Place (P3) auf Dienstseite integrieren. ddpp verbindet beide Welten. Es ist ein anwendungsschichtbasiertes Protokoll, das die standardisierte Kommunikation zwischen beiden Komponenten definiert und dafür sorgt, dass Präferenzen sicher und interoperabel synchronisiert werden.

Was im Projekt entsteht

ddpp verbindet Kompetenzen aus Software Engineering, Datenschutzrecht, IT-Sicherheit, Nutzerforschung, UX-Design und Standardisierung.

Im Projekt entstehen unter anderem:

  • ein offenes Webprotokoll für Datenschutzpräferenzen,
  • Referenzarchitekturen für P3 und P4,
  • standardisierte Datenmodelle, Schnittstellen und Protokollflüsse,
  • Ontologien und ein semantisches Metamodell,
  • Prototypen und Toolkits zur Integration,
  • nutzerzentrierte Oberflächen für P4,
  • rechtliche Bewertungen der Verbindlichkeit übermittelter Datenschutzpräferenzen sowie
  • Evaluationen gemeinsam mit Praxispartnern, Unternehmensbeirat und Plugfests.

Als erste Anwendungsschwerpunkte dienen personalisierte Werbung und Gesundheitsdaten. Beide Bereiche verdeutlichen besonders anschaulich, wie groß der Bedarf an einer verständlichen und interoperablen Verwaltung von Datenschutzpräferenzen ist.

Schrittweise Einführung statt Alles-oder-nichts

Ein neues Webprotokoll kann sich nur durchsetzen, wenn der Einstieg einfach ist. Um eine niedrige Einstiegsbarriere für Nutzer und Unternehmen zu garantieren, erfolgt die Einführung der dezentralen Datenschutzpräferenzen in drei Phasen:

  1. Konsolidierung (Stufe 1): Bereits in der ersten Ausbaustufe können bestehende Datenschutzeinstellungen verschiedener Dienste zentral zusammengeführt und übersichtlich dargestellt werden. Dadurch erhalten Nutzerinnen und Nutzer erstmals einen Gesamtüberblick über ihre Datenschutzpräferenzen.
  2. Harmonisierung (Stufe 2): In einer zweiten Stufe werden Datenschutzpräferenzen mithilfe gemeinsamer Kategorien und Ontologien vereinheitlicht. Dadurch lassen sich vergleichbare Einstellungen dienstübergreifend verwalten.
  3. Integration (Stufe 3): Die dritte Stufe ergänzt eine Referenzarchitektur für P3. Diensteanbieter erhalten damit eine standardisierte Möglichkeit, Datenschutzpräferenzen in ihre Systeme zu integrieren und interoperabel mit P4-Instanzen zusammenzuarbeiten.

Warum ddpp auch für Unternehmen relevant ist

ddpp löst nicht nur ein Problem der Nutzerinnen und Nutzer. Auch Unternehmen stehen vor wachsenden Herausforderungen durch regulatorische Anforderungen, komplexe Einwilligungsprozesse und steigende Erwartungen an transparente Datenschutzlösungen.

Ein offenes Protokoll kann Integrationsaufwände reduzieren, Compliance-Prozesse vereinfachen und Datenschutz zu einem Wettbewerbsvorteil machen. Gleichzeitig schafft eine Standardisierung Planungssicherheit und erleichtert die Umsetzung zukünftiger regulatorischer Anforderungen.

Besonders relevant ist ddpp für Betreiber von Webdiensten und Plattformen, Gesundheits-IT, Mobilitäts- und IoT-Anwendungen, Datenräume sowie Anbieter von Privacy- und Compliance-Technologien.

Damit die entwickelten Lösungen den tatsächlichen Anforderungen entsprechen, arbeitet das Projekt von Beginn an eng mit Unternehmen, Datenschutzbehörden, Verbraucherorganisationen und weiteren Praxispartnern zusammen.

Datenschutzpräferenzen brauchen Infrastruktur

ddpp entwickelt keinen weiteren Cookie-Banner. Das Projekt adressiert die Ebene darunter.

Die Vision ist ein offenes, interoperables und dezentrales Webprotokoll, das Datenschutzpräferenzen verständlich verwaltbar und technisch nutzbar macht. Für Menschen, die ihre digitale Selbstbestimmung stärken möchten. Für Unternehmen, die Datenschutz effizient und rechtskonform umsetzen wollen. Und für digitale Ökosysteme, in denen Privacy by Default nicht nur gefordert, sondern tatsächlich gelebt werden.

Unternehmen und Institutionen, die ddpp als assoziierte Partner begleiten oder eigene Anwendungsfälle und Perspektiven einbringen möchten, sind herzlich eingeladen, mit uns in Kontakt zu treten.


Werden Sie Partner des ddpp-Projekts


Unternehmen, Institutionen und Plattformbetreiber sind herzlich eingeladen, das Projekt als assoziierte Partner zu begleiten, eigene Anwendungsfälle einzubringen und die Zukunft der digitalen Selbstbestimmung aktiv mitzugestalten.