Webinar »Design Digitaler Ökosysteme«

Anfassen – nicht nur gucken! Spielerisch den Überblick in Digitalen Ökosystemen behalten

Digitale Ökosysteme sind komplexe Konstrukte und schwer zu überblicken. Technologische, geschäftliche und rechtliche Auswirkungen sind ungleich schwerer zu verstehen, wenn Produkte und Services unternehmens- und branchenübergreifend gestaltet werden. Vielen Unternehmen fehlt der Blick auf das große Ganze, wodurch Entscheidungen erschwert werden. Das Webinar beschreibt die Methode »Tangible Ecosystem Design« für die Definition, Gestaltung und Analyse von Digitalen Ökosystemen mithilfe von Playmobil®-Spielzeug und macht das Ökosystem damit »greifbar«.

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Webinar »Design Digitaler Ökosysteme« – Aufzeichnung vom 11. Mai 2020

Termin Bereits stattgefunden. Aufzeichnung vom Mai 2020 verfügbar
Dauer 90 Minuten 
Sprache deutsch 
Zielgruppe
CDO, Management, Innovation Manager*innen, Digital Designer*innen, Software-Architekt*innen, Playmobil-Enthusiast*innen 

Dr. Marcus Trapp ist Software Engineer aus Leidenschaft und leitet die Abteilung User Experience & Requirements Engineering am Fraunhofer IESE. Frei nach seinem Motto »Software is no end in itself; it always supports or enables business« unterstützt er Unternehmen in den Themenfeldern User Experience für Geschäftsanwendungen sowie Creativity & Innovation Workshops, Requirements Engineering, Interaction Design und User Interface Prototyping, denn Software ist heute in (beinahe) jeder Branche der wichtigste Innovationstreiber.

Er unterstützt Unternehmen bei der Ideenfindung und Ausgestaltung Digitaler Ökosysteme. Marcus Trapp begeistert als enthusiastischer Sprecher zu den Themen Innovation und (User) Experience auf zahlreichen Konferenzen.

 

 

Claudia Nass ist im Design geboren und mit Software Engineering aufgewachsen. Sie ist Senior Digital Innovation Designer in der Abteilung »User Experience and Requirements« am Fraunhofer IESE. Sie beschäftigt sich mit User Experience (UX) Research und Design mit einem starken Fokus auf der Entwicklung neuartiger Kundenerlebnisse für Digitale Ökosysteme. Ihr Schwerpunkt liegt seit 2006 auf der Entwicklung und Erprobung verschiedener UX-Methoden sowie deren Durchführung im Rahmen von Forschungs- und Beratungsprojekten bei zahlreichen Industriekunden aus verschiedenen Domänen.

Am Fraunhofer IESE leitet sie Industrieprojekte im Bereich der Konzeption von Digitalen Ökosystemen und berät Unternehmen in den Themenfeldern Innovation Workshops, Interaction Design und User Interface Prototyping.

 

Die digitale Transformation fast aller Industriezweige führt zu einem disruptiven Wandel. Die Plattformökonomie ist in vollem Gange. Mehr und mehr Digitale Ökosysteme (Software Ecosystems, Software-enabled Ecosystems, Smart Ecosystems, usw.) entstehen, in denen Unternehmen aus verschiedensten Branchen auf einer gemeinsamen Plattform ihre Produkte und Services anbieten.

Durch die Kombination dieser Produkte und Services entstehen für Kunden und Nutzer der Plattform Vorteile, die keines der beteiligten Unternehmen alleine hätte erzeugen können. Somit stehen immer mehr Unternehmen vor der Frage, ob sie sich an einem Ökosystem beteiligen sollten und wenn ja, in welchem Ökosystem und in welcher Rolle sie auftreten sollen. Digitale Ökosysteme sind ungleich komplexer zu verstehen als Softwaresysteme, die unter der alleinigen Kontrolle eines einzelnen Unternehmens stehen. Die technologischen (Technology), geschäftlichen (Business) und rechtlichen (Legal) Auswirkungen sind umso schwerer zu verstehen, wenn Produkte und Dienstleistungen unternehmens- und branchenübergreifend gestaltet werden sollen.

Viele Unternehmen betreten zudem im Rahmen der digitalen Transformation dabei aus ihrer Sicht Neuland und benötigen umfassendere Unterstützung als bei der Entwicklung klassischer Softwaresysteme. Die Gestaltung Digitaler Ökosysteme erfordert darüber hinaus Kompetenzen, die weit über das klassische Systems- und Software Engineering hinausgehen, um die zentralen Herausforderungen beherrschen zu können.

Die Beherrschung dieser Auswirkungen bewirkt eine neue Dimension der Komplexität der Gestaltung von Softwaresystemen und erschwert somit die Entwicklung von Ökosystemen und die damit verbundene User Experience:

  • Vielfalt:
    Ökosysteme bestehen aus einer Vielzahl von Entwicklungsorganisationen, heterogenen Technologien, einem Mix aus technischen Methoden und unterschiedlichen (teilweise widersprüchlichen) Geschäfts- und Nutzerzielen. Der Modellierungs- und Priorisierungsaufwand für das Verstehen und Beherrschen von Nutzer- bzw. Systemanforderungen ist immens.
  • End-to-End-Qualität:
    Innerhalb eines Ökosystems sind viele Teile nicht mehr unter der Kontrolle einer Softwareentwicklungsorganisation, die den Konsumenten des Ökosystems betreut, aber dennoch muss eine durchgängige Qualität erreicht werden. Obwohl viele Unternehmen das System beeinflussen, möchten Benutzer es als einen Service wahrnehmen und benutzen.
  • Unsicherheit:
    Ökosysteme entwickeln sich dynamisch und werden von vielen unabhängigen Akteuren in ihrem eigenen Tempo vorangetrieben. Manche Entscheidungen beruhen auf unvollständigen Anforderungen oder auf Einschätzungen über die Weiterentwicklung der Nutzerbedürfnisse. Diese müssen aber systematisch aufgenommen und im Nachgang überprüft werden.

In den letzten Jahren haben wir mehr als 20 Ökosystemprojekte durchgeführt. Dabei sind uns verschiedene Herausforderungen bei der Modellierung von Ökosystemen wiederholt begegnet:

  • Die große Anzahl und die vielen Arten von Rollen führen zu unklaren Zusammenhängen in Ökosystemen.
  • Unklare Beziehungen zwischen den Akteuren im Kontext eines Dienstes und seinen Konsumenten
  • Die Auswirkungen einer (kleinen) Veränderung auf das gesamte Ökosystem sind schwer zu erkennen.
  • Es ist schwer, das »Big Picture« (Business, Technology, Legal) des gesamten Ökosystems im Auge (und im Fokus) zu behalten, während man an einem der vielen Details arbeitet.
  • Unklare Einflüsse von Service-Regeln auf das gesamte Plattformgeschäft
  • Es existieren keine Tools zur Diskussion des Plattform- und Servicedesigns im (interdisziplinären) Team.
  • Unreife und komplexe Modellierungssprachen für Ökosysteme

Um diese Herausforderungen zu meistern, haben wir die Methode »Tangible Ecosystem Design« entwickelt. Unsere Methode fördert die Zusammenarbeit bei der Definition, Gestaltung und Analyse eines Digitalen Ökosystems und tut das mithilfe von Playmobil®-Spielzeug, was die Konzeption für die Teilnehmer greifbar macht. In Workshops können die Teilnehmer mit Playmobil® und geeigneten Templates ein Digitales Ökosystem modellieren und es damit im wahrsten Sinne des Wortes »greifbar« (=tangible) machen.

Ziel der Methode »Tangible Ecosystem Design« ist es, in einem interaktiven Workshop mit verschiedenen Plattform-Playern (Stakeholdern) die Modellierung eines Ökosystems, einschließlich der Plattform, ihrer Services und ihrer Akteure zu unterstützen.

Als Teil der methodischen Anleitung wurden Modellierungselemente definiert, sodass Benutzer immer die gleichen Playmobil®-Elemente verwenden können, um verschiedene Services und Beziehungen darzustellen.

Die Hauptbausteine der Methode und die zugehörigen Templates sowie deren Anwendung werden in diesem Webinar vorgestellt. Hierzu wird zunächst eine Definition der Ziele des Ökosystems und die Philosophie des Ökosystems gegeben. Danach werden die verschiedenen Services identifiziert und auf verschiedenen Abstraktionsebenen modelliert. Anschließend werden die verschiedenen Akteure (Unternehmen in verschiedenen Rollen) eines Ökosystems identifiziert und im Detail beschrieben. Zum Abschluss werden alle plattformspezifischen Aspekte festgehalten.