Das Forschungsprojekt Gideon untersucht, wie durch den sicheren und automatisierten Austausch von Daten zwischen Unternehmen neue Formen der datenbasierten Wertschöpfung entstehen können. Im Fokus steht die Entwicklung eines digitalen Datenökosystems, das Unternehmen dabei unterstützt, Daten organisationsübergreifend zu teilen und deren wirtschaftliches sowie gesellschaftliches Potenzial systematisch zu erschließen. Ziel ist es, den Mehrwert gemeinsam genutzter Daten transparent zu machen und gleichzeitig die Voraussetzungen für einen vertrauenswürdigen und nachhaltigen Datenaustausch zu schaffen.
KI-gestützter Datenaustausch und Data Governance
Hierfür wird ein KI-gestütztes System entwickelt, das die Datenquellen unterschiedlicher Organisationen miteinander verknüpft und das Wertschöpfungspotenzial aus der Kombination eigener und externer Daten identifiziert und bewertet. Durch den KI-Einsatz sollen geeignete Datenkombinationen erkannt, Nutzungsmöglichkeiten vorgeschlagen und datenbasierte Entscheidungsprozesse unterstützt werden. Das System wird iterativ gemeinsam mit den Projektpartnern entwickelt und kontinuierlich anhand praxisnaher Anforderungen weiterentwickelt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Entwicklung geeigneter Data-Governance-Strukturen. Diese schaffen die organisatorischen, technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für einen sicheren, transparenten und vertrauenswürdigen Datenaustausch. Dabei werden Fragestellungen zu Datensouveränität, Datenschutz, Zugriffsrechten, Verantwortlichkeiten sowie zur Interoperabilität zwischen unterschiedlichen IT-Systemen adressiert. Ziel ist es, den beteiligten Organisationen einen kontrollierten Umgang mit ihren Daten zu ermöglichen und gleichzeitig die Zusammenarbeit innerhalb eines Datenökosystems zu fördern.
Erprobung in der Praxis
Die entwickelten Konzepte werden exemplarisch anhand zweier Anwendungsdomänen validiert: der Wasserinfrastruktur sowie der Kreislaufwirtschaft in der Möbelindustrie. In beiden Bereichen werden unternehmerische, technische und rechtliche Anforderungen analysiert und in die Entwicklung der Plattform integriert. Die prototypische Umsetzung erfolgt durch die Einbindung der entwickelten Lösungen in die bestehenden Systeme und Geschäftsprozesse der Anwendungspartner. Dadurch können die entwickelten Methoden unter realen Bedingungen erprobt, ihre Praxistauglichkeit bewertet und Erkenntnisse für die Übertragbarkeit auf weitere Branchen und Anwendungsfelder gewonnen werden.
Das Projekt wird von einem interdisziplinären Konsortium aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen durchgeführt. Die Projektkoordination liegt beim Fraunhofer IESE. Zum Konsortium gehören außerdem die Berliner Wasserbetriebe AöR, die Integrated Worlds GmbH, das KWB Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH sowie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH. Ergänzt wird das Netzwerk durch assoziierte Partner aus der Wasserwirtschaft. Durch die enge Zusammenarbeit werden wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in praxisnahe Lösungen für den organisationsübergreifenden Datenaustausch überführt.
Mit seinem interdisziplinären Ansatz leistet Gideon einen Beitrag zur Entwicklung vertrauenswürdiger Datenökosysteme und zeigt auf, wie KI, Data Governance und organisationsübergreifendes Datenteilen kombiniert werden können, um Innovationen zu fördern, Ressourcen effizienter zu nutzen und nachhaltige digitale Wertschöpfung zu ermöglichen.