Nachhaltigkeit und KI im Mittelstand: So gelingt die digitale Transformation

Der Förderschwerpunkt »Mittelstand-Digital« des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bietet mit dem bundesweiten Netzwerk »Mittelstand-Digital Zentrum« und der Initiative »IT-Sicherheit in der Wirtschaft« umfassende Unterstützung bei der sicheren und nachhaltigen Digitalisierung von KMU. Ziel der Zentren ist es, die digitale Transformation der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland nachhaltig voranzutreiben und das ganzheitliche Verständnis für die digitale Transformation zu verbessern. Hierfür werden Unterstützungsangebote geschaffen – in Form partizipativer oder unternehmensübergreifender Unterstützungs- und Qualifikationsformate sowie durch konkrete Praxisprojekte mit Unternehmen. Mit deren Hilfe werden KMU über die Potenziale und Herausforderungen von Innovationstreibern, wie z.B. KI im Mittelstand, informiert. Sie werden unterstützt, die Digitalisierung strategisch anzugehen und als ganzheitlichen Prozess auf Basis der betrieblichen Anforderungen zu gestalten. Eines dieser regionalen Kompetenzzentren ist das Mittelstand-Digital Zentrum Franken, das vom Fraunhofer IESE begleitet wird. Dieser Beitrag beleuchtet die bisherigen Ergebnisse und die konkreten Bedarfe, die das Zentrum gemeinsam mit dem IESE identifiziert hat.

Wie das Mittelstand-Digital Zentrum Franken KMU bei der digitalen Transformation unterstützt

Das Mittelstand-Digital Zentrum Franken (Förderperiode Juni 2023 bis Mai 2026) fokussiert sich primär auf Unternehmen in der Region Franken.

Schwerpunkte:

  • Aufbau eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagements in Unternehmen
  • Einführung und Nutzung von KI im Mittelstand

Das Konsortium des Mittelstand-Digital Zentrum Franken setzt sich aus der Hochschule Ansbach, der TH Nürnberg, der Akademie für Künstliche Intelligenz (AKI) und dem Fraunhofer IESE zusammen. Die Akademie für künstliche Intelligenz und die Hochschule Ansbach konzentrieren sich hingegen auf die Weitergabe von Wissen zu KI und deren technischer Anwendung, z.B. Machine Learning, Computer Vision, Qualitätskontrolle, Sprachtechnologien und Prozessoptimierung. Die TH Nürnberg konzentriert sich dagegen auf die Vermittlung von Inhalten zu digitaler Energiebilanzierung, digitalen Ansätzen für Nachhaltigkeitsmanagement und Transparenz in Lieferketten. Auch das Thema der digitalen Energiebilanzierung wird von der Hochschule Ansbach, zusammen mit der TH Nürnberg, betreut. Das AKI übernimmt die Informationsvermittlung und die Vernetzung im Bereich KI. Das Fraunhofer IESE ist übergreifend für die Evaluation des gesamten Projekts Mittelstand-Digital Zentrum Franken verantwortlich.

Unterstützungsmaßnahmen für Nachhaltigkeit und KI im Mittelstand

Die Themen Nachhaltigkeit und KI werden vom Mittelstand-Digital Zentrum Franken in unterschiedlichen Formaten (Tabelle 1) angeboten, die sich je nach Maßnahmentyp, das heißt Informationsmaßnahme (Informieren), Qualifizierungsmaßnahme (Qualifizieren), Vernetzungsmaßnahme (Vernetzen) und Umsetzungsmaßnahme (Umsetzen), unterscheiden.

InformierenQualifizierenUmsetzenVernetzen
RoadshowDemonstratorDigitalisierungsprojektKI-Stammtisch
Readiness CheckInteraktiver WorkshopFachgesprächeBarcamp
InforamtionsveranstaltungSchulungPotenzialanalyse
Deep DiveE-Learning
KI-SprechstundeLernlabor

Tabelle 1: Formate und Maßnahmen des Mittelstand-Digital Zentrum Franken zur Vermittlung von Inhalten zu KI und Nachhaltigkeit

Mit diesen Maßnahmen sollen langfristig mehrere Ziele verfolgt werden:

  • Stärkung der mittelständischen Wirtschaft in Franken (branchenunabhängig)
  • Steigerung der Digitalkompetenz der teilnehmenden Fach- und Führungskräfte
  • Ermittlung und Steigerung des digitalen Reifegrads, Nachhaltigkeitsreifegrads und KI-Reifegrads teilnehmender Unternehmen
  • Befähigen von Unternehmen zum
    • Erkennen neuer, digital getriebener Geschäftsfelder, Geschäftsmodelle, Prozesse und Dienstleistungen
    • Hinterfragen der Energie- und Rohstoffeffizienz ihrer Prozesse, Produkte und Liegenschaften
    • ökologisch nachhaltigeren Wirtschaften
    • Erkennen von Anwendungsmöglichkeiten von KI im eigenen Haus

Das Fraunhofer IESE setzt ein umfangreiches Evaluationskonzept zum Monitoring der Maßnahmentypen Informieren, Qualifizieren, Umsetzen und Vernetzen in den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und KI um. Dieses Konzept zielt sowohl auf die Zielerreichung als auf die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen und setzt diese in Beziehung zu deren Wirtschaftlichkeit. Dazu werden die Daten aus dem Projektcontrolling und dem Selbstmonitoring der Verbundpartner herangezogen und mit Daten kombiniert, die unter den Teilnehmenden der Maßnahme des Mittelstand-Digital Zentrums Franken erhoben werden. Über die unmittelbare Evaluation von Veranstaltungen und deren Wirksamkeit werden dementsprechend Erkenntnisse zur Ermittlung der Bedarfe und Hemmnisse von KMU und zur Zielerreichung bzgl. der Schwerpunkte Nachhaltigkeit und KI gewonnen.

Praxis-Check: Wo drückt der Schuh im Mittelstand?

In über 100 Fachgesprächen hat das Fraunhofer IESE die realen Bedarfe der Unternehmen analysiert. Diese lassen sich in unterschiedliche Kategorien unterteilen, welche die Notwendigkeit der Ziele und Maßnahmen des Mittelstand-Digital Zentrum Franken widerspiegeln:

  • KI-Anwendungen

    • Nachhaltigkeit und Optimierung von Produktionsprozessen (Prädiktive Maintenance)
    • Computer Vision (Qualitätskontrolle in der Produktion)
    • Assistenten zur Diagnose, Prävention und Verhaltensanalysen
    • Tools zur automatisierten Generierung von Werbematerialien oder Texten für Ausschreibungen und Machbarkeitsanalysen; Tools zur KI-gestützten Wissensweitergabe zwischen Generationen
    • Weiterentwicklung von Robotik, AutoML und Computer Vision
    • Recruiting (z. B. Scoring-Systeme)
    • Weiterbildungen und Schulungen in den Bereichen KI und Data Science, speziell Machine Learning und Bildverarbeitung
  • Nachhaltigkeit

    • Datenerhebung und Auswahl geeigneter Software für CSRD-Berichterstattung, digitale Möglichkeit, um Nachhaltigkeit transparent zu kommunizieren
    • Softwaregestützte Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes; Optimierung von Lieferketten
    • ESG-Ziele operationalisieren; Marktanalysen zu ESG-Tools
    • Umsetzung des Energieeffizienzgesetzes und der Nutzung von Abwärme; Erstellung von CO₂-Bilanzen; Identifikation von Reduktionspotenzialen durch KI
    • Entwicklung und Begleitung von Nachhaltigkeitsprojekten, bspw. doppelte Wesentlichkeitsanalysen
    • Workshops und Schulungen zu Nachhaltigkeitsthemen für Handwerksbetriebe, zu CSRD, zu VSME-Standards und zu Digitalisierungsprojekten.
  • Digitalisierung

    • Einführung digitaler Rechnungsstellung
    • Entwicklung eines Risikoanalysetools
    • Schulungen zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen; E-Learnings zur Fortbildung der Mitarbeitenden, (4) Auswahl von Software-Lösungen in den Bereichen Risikoanalyse oder CSRD.
  • Automatisierung

    • Automatisierung von Ausschreibungen durch das automatisierte Auslesen und Erstellen von Dokumenten
    • Automatisierung interner Prozesse, automatisierte Messlösungen, automatische Qualitätskontrolle.
  • Industrie 4.0 und IIoT

    •  Erfassung von Maschinendaten für eine vernetzte und optimierte Produktion, für die Einbindung und Auswertung von Produktionsdaten in ERP-Systemen und für den potenziellen Einsatz von IIoT für ein effektives Energiemanagement.

Erfolge in Zahlen: Ein starkes Netzwerk für den Mittelstand

Seit dem Start im Juni 2023 konnte das Zentrum bereits beachtliche Erfolge mit seiner Öffentlichkeitsarbeit erzielen (Stand 30.11.2025):

  • 440 Maßnahmen wurden erfolgreich durchgeführt.

  • 1.010 Unternehmen wurden direkt erreicht.

Dies trägt dazu bei, dass das Zentrum in der Region Franken als Anlaufstelle für die Bereiche Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit gesehen wird. Durch die Öffentlichkeitsarbeit soll eine Vielzahl an kleinen, mittelständischen und Start-up Unternehmen angesprochen und eingebunden werden. Vor allem über die Kanäle LinkedIn und Newsletter werden viele Unternehmen adressiert (Abbildung 1).

Statistik Öffentlichkeitsarbeit: Abonnent:innen für die Kanäle Newsletter, LinkedIn, Instagram und YouTube
Abbildung 1: Abonnent:innen für die Kanäle Newsletter, LinkedIn, Instagram und YouTube (Stichtag 30.11.2025)

Abbildung 2 zeigt die Branchen, in denen die erreichten Unternehmen tätig sind. Besonders sticht heraus, dass das Handwerk (107) bei den Maßnahmen stark vertreten ist.

Statistik Öffentlichkeitsarbeit: Branche der erreichten Unternehmen durch die Maßnahmen des Mittelstand-Digital Zentrum Franken
Abbildung 2: Branche der erreichten Unternehmen durch die Maßnahmen des Mittelstand-Digital Zentrum Franken (Stichtag 30.11.2025)

Über die Projektlaufzeit hinweg hat es das Mittelstand-Digital Zentrum Franken bisher folglich verstanden, Unternehmen in ganz Bayern anzusprechen und die Maßnahmen und deren Inhalte breit zu streuen. Auf der Karte (Abbildung 3) ist zu sehen, aus welchen Regionen Bayerns Unternehmen bereits an den Maßnahmen teilgenommen haben. Besonders stark vertreten sind die Regionen Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Erlangen, Fürth, München, Neustadt an der Aisch und Nürnberg. Auch wenn der Fokus auf den Regionen Bayerns liegt, gelten die Angebote des Mittelstand-Digital Zentrums Franken für Unternehmen aus allen Bundesländern Deutschlands. Die Angebote sind barrierefrei und können auch von KMU über die Region Bayern hinaus genutzt werden.

Abbildung 3: Verteilung der erreichten Unternehmen in Bayern (Stichtag 30.11.2025)

Fazit: Bedarfe decken und Netzwerke stärken

Unternehmen äußern heute konkrete Bedarfe, die im Zentrum ihrer zukünftigen Entwicklung stehen. Das Mittelstand-Digital Zentrum Franken bedient diese gezielt in den Schwerpunkten KI und Nachhaltigkeit.

  • Wissenstransfer durch Multiplikatoren

    Multiplikatoren wie Behörden, Kammern, Ministerien, Verbände, Vereine und Wirtschaftsförderungen spielen eine entscheidende Rolle dabei, Wissen weiterzugeben und Vernetzung voranzubringen. Diese konnte bisher gut erreicht werden und das Netzwerk soll künftig weiter gestärkt werden.

  • Neuer Fokus 2026: Cybersicherheit

    Ein ergänzender Schwerpunkt wird die Vermittlung von Inhalten zur IT-Sicherheit sein. Für KMU ist Cybersicherheit kein reiner Kostenfaktor, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die proaktiv in ihre Sicherheitsinfrastruktur investieren, bauen Kundenvertrauen auf, sind resilienter und können sich von Mitbewerbern abheben.

Das Netzwerk Mittelstand-Digital unterstützt Unternehmen somit weiterhin bei einer ganzheitlichen digitalen Transformation und bietet insbesondere im Bereich IT-Sicherheit konkrete Unterstützungsangebote an für eine sichere und nachhaltige digitale Zukunft.

Machen Sie Ihr Unternehmen fit für die Zukunft! Haben Sie Fragen zur Einführung von KI oder zur Umsetzung Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie? Nutzen Sie die Expertise des Mittelstand-Digital Zentrums Franken und des Fraunhofer IESE. Nehmen Sie jetzt Kontakt zu unseren Expertinnen und Experten auf oder informieren Sie sich über unsere nächsten Veranstaltungen und Workshops.