EMERGE

Wohnumgebungen mit dem 7. Sinn

Aufgrund des für die nächsten Jahrzehnte erwarteten demografischen und gesellschaftlichen Wandels werden altersbedingte medizinische Notfälle und damit Einsätze von Rettungsdiensten stark zunehmen. Dies gilt weltweit, jedoch insbesondere für die meisten europäischen Länder. Bereits heute werden 44 % der Ressourcen medizinischer Not- und Rettungsdienste für Personen im Alter von mehr als 70 Jahren eingesetzt. In Zukunft sind daher deutlich höhere Kosten für Rettungsdienste und das Gesundheitssystem insgesamt zu erwarten. Eine bezahlbare und trotzdem hochwertige Notfallversorgung ist allerdings die Grundvoraussetzung für ein selbstständiges Leben in der gewohnten Umgebung bis ins hohe Alter.

Das EU-Projekt EMERGE – Emergency Monitoring and Prevention – verfolgt das Ziel, mit Ambient- Intelligence-Technologie eine moderne und automatisierte Unterstützung für ältere Personen zu entwickeln. Die zur unaufdringlichen Begleitung älterer Menschen im Alltag notwendige Sensorik ist dabei vorrangig in die häusliche Umgebung integriert. Am Körper der Betroffenen angebrachte Sensoren werden lediglich zur Überwachung von Vitalparametern wie z.B. des Pulses eingesetzt. Die erfassten Daten über die Umgebung und die Bewohner fließen in ein so genanntes »Human Capability Modell« (HCM), welches die funktionale Beurteilung von Bewegungen, Tätigkeiten und Vitaldaten vereint und Aktivitäten des täglichen Lebens (Activities of Daily Life – ADL) ableitet. Das HCM ist in eine Reihe von Teilmodellen für Sensorik, Umgebung, den funktionalen Gesundheitsstatus von Personen und Beschreibungen von normalen bzw. irregulären Aktivitäten aus notfallmedizinischer Sicht untergliedert. Diese Teilmodelle passen sich an die jeweiligen »Fähigkeiten« der jeweiligen Personen und ihre ganz spezifische Umgebung an, um potenzielle, respektive akute Notfälle möglichst genau zu erkennen. Die systemseitige Assistenz bei Notfällen erfolgt stufenweise und bezieht weitere Beteiligte wie Angehörige, Nachbarn, Pfegedienstleister und Leitstellen für Rettungsdienste ein. Notfallspezifische Informationen werden mittels moderner Kommunikationstechnologien übertragen, um auf die jeweilige Situation optimal zu reagieren und gleichzeitig die Ressourcendisposition zu verbessern.

Die Vor- und Nachteile der in EMERGE erarbeiten Modelle, Technologien und Lösungen werden unter realistischen Bedingungen in zwei Feldversuchen und unter Laborbedingungen (unter anderem im Labor für Lebensassistenzsysteme des Fraunhofer IESE) untersucht. Dies geschieht mithilfe von ingenieurmäßigen Qualitätsmodellen. Die Untersuchungen werden aus der Sichtweite der betroffenen Personen und professioneller Dienstleister sowie unter technologischen Aspekten durchgeführt. Positive Ergebnisse können mittelfristig zu neuen medizinischen und technischen Richtlinien bzw. Standardarbeitsanweisungen für Notfallmedizin und Leitstellen führen.