Forscher des Fraunhofer IESE erhalten Joseph-von-Fraunhofer-Preis

Presseinformation / 31.5.2017

Die Fraunhofer-Gesellschaft zeichnete am 30.05.2017 ein Team des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE, Kaiserslautern, mit dem Joseph-von-Fraunhofer-Preis »Technik für den Menschen« aus. Den Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen erhielten die Forscher auf der Jahrestagung in Dresden für ihr Projekt SUSI TD. Mit SUSI TD (Sicherheit und Unterstützung für Senioren durch Integration von Technik und Dienstleistung) haben die Wissenschaftler Rolf van Lengen, Mario Schmitt und Cornelius Moucha zusammen mit ihren Partnern Anne Gebert vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) und Bernd Klein von der CIBEK GmbH ein System entwickelt, das es älteren Menschen ermöglicht, länger selbstbestimmt in der eigenen Wohnung zu leben.

© Foto Fraunhofer

Prof. Neugebauer überreicht Joseph-von-Fraunhofer-Preis an: Anne Gebert, Bernd Klein, Cornelius Moucha, Mario Schmitt und Rolf van Lengen.

Die Herausforderung war es, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das zukunftsfähige Versorgungsprozesse und -strukturen bereitstellt, die eine selbstständige Lebensführung und verbesserte Lebensqualität älterer Menschen sicherstellen. In dem vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit und Demographie (MSADG) geförderten Projekt wurde ein Verfahren entwickelt, das Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) und Situationen der Hilflosigkeit erkennt. Doch Kameras und Co. sucht man in den ausgestatteten Wohnungen vergeblich: Das System basiert auf nicht-invasiven Sensoren, vor allem auf Bewegungsmeldern, wie man sie auch von Lampen oder Alarmanlagen kennt, sowie auf Berührungssensoren an oft benutzten Schubladen oder am Kühlschrank. Ohne aufwändige Konfiguration wird das Normalverhalten der Person mithilfe der Sensoren erfasst und modelliert. Anhand der Sensordaten lernt das System, die wiederkehrenden Handlungen zu identifizieren und erkennt, wenn Hilfe nötig ist.

Dieses Verfahren ist der integrale Bestandteil der SUSI TD Plattform, die Assistenzsysteme der AAL-Technologien (Ambient Assisted Living) mit Ansätzen des präventiven Hausbesuchs in Vernetzung mit dem vorhandenen Sozialraum kombiniert. Die Senioren nutzen ein Video-Kommunikationstool, das vielseitig anwendbar ist: Via Touchscreen sprechen sie direkt mit den Beratern der Pflegestützpunkte, deren Pflegebegleitung sich dann nicht alleine auf gelegentliche Hausbesuche beschränkt. Auch die sozialen Kontakte können wieder einfacher gepflegt werden. Man trifft sich virtuell mit Freunden und Familiengehörigen, spielt miteinander Spiele oder tauscht Fotos aus.

Das Fraunhofer IESE arbeitet im Bereich technologiebasierter Assistenzsysteme an vier Schwerpunkten: Durch Prävention können schleichende Veränderungen zeitnah erkannt werden, während es mit telemedizinischer Versorgung gelingt, die Nutzer in ihrem Alltag medizinisch bestmöglich zu begleiten. Durch die Unterstützung in Akutsituationen ist schnelle Hilfe garantiert. Mit der Kommunikationsplattform wird die soziale Integration der Senioren und damit auch die Akzeptanz des Systems gefördert. SUSI TD bietet Sicherheit plus Privatsphäre und liefert somit einen wichtigen Beitrag für die Alltagswelt älterer Menschen.

Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer IESE, gratulierte auf der diesjährigen Tagung in Dresden seinen Mitarbeitern: »Technik für den Menschen – das ist unser Auftrag. Die Auszeichnung für ‚SUSI TD‘ bestätigt uns auch in unserem Forschungsvorhaben Smart Ecosystems: Hier entwickeln wir innovative und intelligente Dienste für den Menschen und zeigen, welchen Mehrwert die Digitalisierung der Gesellschaft bringt.«

Im Folgeprojekt StuDI wollen die Forscher ein auf SUSI TD basierendes, aber adaptiertes System testweise in 100 Wohnungen integrieren. Die CIBEK GmbH arbeitet bereits an Lösungen für Projekte mit mehr als 1000 Haushalten, beispielsweise in Hamburg. Die erfolgreiche Zusammenarbeit des interdisziplinären Preisträgerteams wird im Folgeprojekt StuDI fortgeführt.