PROASSIST4LIFE

ProAssist4Life – Notfallerkennung für Senioren

Situation

Nach aktuellen Schätzungen stürzt jeder Dritte der über 65-Jährigen einmal pro Jahr; bei den über 80-Jährigen ist es fast jeder Zweite. Viele der Unfälle ereignen sich in Privathaushalten bei alltäglichen Verrichtungen, oft auch nachts. Häufig dauert es mitunter Stunden, bis den Betroffenen geholfen wird. Selbst Hausnotrufsysteme helfen nur bedingt, da die Senioren oftmals nicht in der Lage sind, ein Notrufsignal auszulösen, weil sie verletzt oder desorientiert sind oder einfach den Druckknopf nicht bei sich tragen. Späte Erkennung von Hilfsbedürftigkeit hat fatale Auswirkungen. Epidemiologische Untersuchungen belegen, dass ältere Patienten nach einem häuslichen Sturz im Anschluss an den Klinikaufenthalt wesentlich häufiger nicht mehr selbständig wohnen können, sondern in eine Pflegeeinrichtung entlassen werden müssen.

Abhilfe schaffen soll hier ein intelligentes System, das derartige Notlagen automatisch erkennt und darauf reagiert. Obwohl im Forschungsumfeld vielversprechende Ansätze zur automatischen Erkennung von Hilfsbedürftigkeit im häuslichen Umfeld existieren, sind diese bislang nicht in konkrete Produkte eingeflossen und sind damit am Markt nicht verfügbar – trotz hohen Bedarfs. Diese Versorgungslücke kann mit diesem Vorhaben nachhaltig geschlossen werden. Gegenstand des Projekts ProAssist4Life ist daher die Entwicklung einer integrierten Soft- und Hardwarelösung für das häusliche Umfeld, mit der sich kostengünstig, vorausschauend und unaufdringlich Situationen der Hilfsbedürftigkeit erkennen lassen und adäquate Hilfestellungen erbracht werden können.

Die ProAssist4Life Lösung

Die Partner arbeiten an einem unaufdringlichen System, das ältere Personen im Eigen- oder im Altenheim permanent »begleitet«. An der Zimmerdecke montierte Multisensorknoten erfassen die Bewegungsabläufe des Bewohners. Die Daten werden dann per Funk an einen Computer übermittelt. Eine Software dokumentiert die täglichen Aktivitäten des Bewohners und lernt somit kontinuierlich sein »Normalverhalten«. Das Auswertungsprogramm vergleicht das aktuelle Handeln des Betroffenen permanent mit dem erstellten Modell. Auf diese Weise erkennt es abweichende Situationen, die darauf hindeuten können, dass die Person gestürzt ist, reglos am Boden liegt und sich in einer hilflosen Lage befindet. Sollte der ältere Mensch auf eine Ansprache durch das System nicht reagieren, informiert die Software per SMS eine Person des Vertrauens, etwa einen Angehörigen oder Pfleger.

Die ProAssist4Life Lösung umfasst dabei:

  • einen neuartigen kostengünstige Multisensorknoten, anhand dessen Aktivitäten und Zustände in der häuslichen Umgebung und seitens der Benutzer erfasst werden können;
  • ein integriertes Framework zur personalisierten Situationserkennung aus der Wohnumgebung heraus, mit dem sich stereotypische Unterstützungssituationen automatisch und vorausschauend erkennen lassen können und mit deren Hilfe eine situationsgerechte Unterstützung geplant und erbracht werden kann;
  • ein Interaktionsmodul, das eine intuitive Einbindung der Betroffenen und ihres sozialen Netzwerks und professioneller Hilfsdienste in den Unterstützungsprozess ermöglicht, und
  • eine kompakte Middleware, die den Einsatz der Softwarekomponenten auf verschiedenen Hardwareplattformen, z.B. Set-Top-Boxen, ermöglicht.

»Unsere Lösung soll konventionelle Hausnotrufsysteme zunächst ergänzen, das Sicherheitsgefühl von Nutzern und Angehörigen verbessern. Auf lange Sicht sollen beide Systeme integriert werden.«

(Prof. Dr. med. Christian Madler, Chefarzt, Institut für Anästhesiologie und Notfallmedizin I, Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern)

Das Projekt PROASSIST4LIFE wurde gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung  <BMBF> (gefördert durch die BMBF-Fördermaßnahme »KMU-Innovationsoffensive Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) – Softwaresysteme und Wissensverarbeitung«) gemeinsam mit folgenden Kooperationspartnern durchgeführt:

  • Westpfalz-Klinikum GmbH, www.westpfalz-klinikum.de
  • Binder Elektronik GmbH, www.binder-elektronik.de
  • CIBEK technology + trading GmbH, www.cibek.de

Gefördert vom