LEA

LEA | Lernend altern - Alternd lernen

Aufgrund des demografischen Wandels gibt es immer mehr Menschen, die auch im Alter Lernangebote nutzen möchten. Obwohl die Bedeutung des Lernens im Alter wissenschaftlich erwiesen ist, können viele Lernangebote von älteren Menschen aufgrund mangelnder Mobilität nicht genutzt werden, da es sich oft um Präsenzveranstaltungen handelt.

Es ist also wichtig, älteren Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen wollen oder können, weiterhin die Teilhabe an Bildung und sozialer Interaktion zu ermöglichen. Dafür sind innovative Ansätze gefragt, wie zum Beispiel das Landesprojekt LEA (»Lernend altern – alternd lernen«). Hier wurden in Kooperation mit der Volkshochschule Kaiserslautern und der TU Kaiserslautern eine technische Lösung sowie passende Kurskonzepte für mobilitätseingeschränkte ältere Personen (65+) entwickelt, die gerne von zu Hause aus an Lernangeboten teilnehmen möchten. Die Benutzeroberfläche des LEA-Lernsystems wurde speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmt. So sind beispielsweise zur Bedienung des LEA-Lernsystems keine Computerkenntnisse erforderlich. Bei der Konzeption des LEA-Lernsystems wurde auf möglichst natürliche Interaktion zwischen Nutzer und System Wert gelegt, d.h. es erfolgte keine Texteingabe über die Tastatur, sondern nur per Sprache und Bild.

Das Projekt hatte als Ziel, neue Wege in der Vermittlung von Lerninhalten für ältere Menschen zu beschreiten. Der Bereich »altersgerechte Benutzeroberflächen und intuitive Interaktionsformen« bietet noch viel Forschungspotenzial. LEA möchte mit der ersten Generation von älteren Menschen, die das Internet nutzen, Pionierarbeit leisten. Anhand des LEA-Lernsystems, das auf Multi-Touch-fähigen Geräten ausgeführt werden kann, wurden innovative Bedienkonzepte (z.B. Gestensteuerung) in direkter Zusammenarbeit mit der Zielgruppe in mehreren Feldversuchen erprobt.

Das LEA-Lernsystem ermöglicht die direkte Kommunikation und gemeinsames Lernen im eigens entwickelten altersgerechten Kursraum. Einfach zu erstellende Sprach- und Videonachrichten ermöglichen es den Kursteilnehmern, auch zwischen festen Kursterminen miteinander zu sprechen und sich auszutauschen. Während der Durchführung in echten VHS-Kursen konnte beobachtet werden, dass diese Kommunikationswege nicht nur zur Diskussion über Lerninhalte verwendet wurden, sondern dass die Teilnehmer sie durchaus auch für den privaten, sozialen Austausch nutzten.

Die soziale Komponente spielt im LEA-Lernsystem eine wichtige Rolle. Beispielsweise können Verwandte, Bekannte und Freunde der älteren Teilnehmer ebenfalls auf ihren eigenen privaten Rechnern das LEA-Lernsystem installieren, um so per Video- und Sprachnachrichten zu kommunizieren. Dies stellt einen Mehrwert im Vergleich zum normalen Telefon dar. Ein weiterer Bereich, der im Rahmen des LEA-Projekts erprobt wurde, ist die soziale Interaktion über Spiele, die in die LEA-Lernsoftware eingebettet sind. So können die älteren Benutzer ein speziell für diese Zielgruppe sowie für Multi-Touch-Geräte optimiertes Kniffelspiel gegeneinander spielen. Die Spiele können aber auch im Einzelspielermodus betrieben werden.

Das Feedback der Teilnehmer und Kursleiter aus den Feldversuchen im Rahmen von drei Kursphasen ist dabei sehr positiv ausgefallen. Von der technischen Seite aus loben die Teilnehmer insbesondere den Einsatz eines mobilen Endgeräts, die unkomplizierte Bedienung des LEA-Lernsystems und das Abrufen multimedialer Inhalte. Was den sozialen Aspekt betrifft, so werden das Kennenlernen und der Austausch mit anderen Kursteilnehmern mithilfe des Systems sowie der direkte Kontakt zum Kursleiter und zum technischen Support-Team als besonders positiv bewertet.

»Die soziale Ebene war […] von meiner Sicht aus positiv zu bewerten.«

(Herr H., 79 Jahre)

»Ich bin ja sehr zufrieden mit dem Kurs gewesen. Das hat mir sehr viel Freude und Spaß gemacht. Und man kann auch sehr viel lernen dabei. Das ist gerade im Alter […] sehr gut.« (Frau K., 69 Jahre)

»Das Projekt an für sich find ich ja schon gut und interessant. Ich denke auch, dass es von der Oberfläche durchaus tauglich ist [...]. Das mit den Ton- und Videotelegrammen ist so natürlich eine wunderbare und einfache Geschichte, weil man nichts tippen muss [...].« (Herr Hodapp, Kursleiter)

Die für die LEA-Lernsoftware entwickelten Konzepte und Technologien können in allen Bereichen, die Kommunikation und Austausch von Gruppen mit gemeinsamen Interessen erfordern, eingesetzt werden. Verteiltes Lernen ist nicht der einzige Einsatzbereich – eine Ausweitung des Einsatzes in sozialen und psychosozialen Bereichen wird angestrebt. Aktuell fließen die Konzepte und die technischen Komponenten in das Projekt Susi TD ein, welches in den Bereich AAL (Ambient Assisted Living) einzuordnen ist. Hier steht nicht das »Lernen« im Vordergrund, sondern die soziale Komponente.

Generell ist der Einsatz der LEA-Konzepte und -Technologien altersunabhängig und vielseitig:

  • Unterstützt entgrenzende, verteilte Kommunikation
  • Überwindet technische Barrieren für Nutzer mit wenig Computerkenntnissen
  • Kann als zentraler Anlaufpunkt für kommunikationsbasierte Assistenzsysteme (z. B. ambulante Betreuung) dienen