{"id":5688,"date":"2020-05-13T10:59:05","date_gmt":"2020-05-13T08:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.iese.fraunhofer.de\/?p=5688"},"modified":"2024-02-19T11:19:32","modified_gmt":"2024-02-19T10:19:32","slug":"wie-schafft-man-datensouveraenitaet-in-der-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wie-schafft-man-datensouveraenitaet-in-der-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Wie schafft man Datensouver\u00e4nit\u00e4t in der Landwirtschaft?"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Daten spielen in heutigen Arbeits- und Gesch\u00e4ftsprozessen eine zunehmend bestimmende Rolle. Im Zuge fortschreitender Digitalisierung h\u00e4ngen immer mehr Elemente in Wertsch\u00f6pfungsnetzwerken von Daten ab, das gilt auch f\u00fcr die Landwirtschaft. Von der Reichsbodensch\u00e4tzung am Anfang des 20. Jahrhunderts \u00fcber detaillierte Wetterdaten f\u00fcr genauere Prognosen bis hin zu hyperspektraler Sensorik zur Erkennung von Pflanzenzust\u00e4nden: Daten unterst\u00fctzen immer mehr Abl\u00e4ufe oder werden selbst zur Ware in datengetriebenen Prozessen.<\/p>\n<p>Doch dabei treten Fragen auf: Wem geh\u00f6ren Daten \u00fcberhaupt? Wie kann man den \u00dcberblick behalten in der Verwaltung riesiger Datenmengen aus unz\u00e4hligen Datenquellen? Wer hat welche Interessen und wer welche Rechte? Und wie k\u00f6nnen Landwirte in diesem Umfeld die Kontrolle \u00fcber Daten aus ihren Betrieben behalten?<\/p>\n<blockquote><p>Datensouver\u00e4nit\u00e4t in der Landwirtschaft umfasst nach unserem Verst\u00e4ndnis die rechtliche Legitimation sowie die organisatorischen und technischen M\u00f6glichkeiten, \u00fcber die Verwendung von Daten aus dem eigenen betrieblichen Kontext verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren: Datennutzung nur mit Zustimmung, Transparenz dar\u00fcber, was mit den Daten geschieht und die M\u00f6glichkeit, die Daten in verschiedenen Systemen zu nutzen.<\/p>\n<footer class=\"small\">Die Zustimmung erstreckt sich auf mehrere Aspekte: wer darf Daten nutzen, wie lange, in welchem Kontext und f\u00fcr welche Zwecke. Transparenz bedeutet, dass nachvollzogen werden kann, was mit Daten geschieht und die Konsequenzen aus einer Zustimmung zur Datennutzung verst\u00e4ndlich sind. Die digitale Durchg\u00e4ngigkeit der Daten und M\u00f6glichkeit, diese flexibel und mehrfach zu nutzen, sind der dritte Aspekt, der Datensouver\u00e4nit\u00e4t ausmacht.<\/footer>\n<\/blockquote>\n<h3>Haben alle die gleichen Ziele oder widerstreitende Interessen?<\/h3>\n<p>F\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis der Datensouver\u00e4nit\u00e4t bedarf es weiterer Kl\u00e4rung. Um wen geht es, wer hat welche Interessen und wie sind diese jeweils, um welche Daten geht es, gibt es nicht schon ausreichend Regelungen dazu und was bedeutet Datensouver\u00e4nit\u00e4t in dem Kontext Landwirtschaft \u00fcberhaupt konkret?<\/p>\n<h4>Interessengruppen im landwirtschaftlichen Datenraum<\/h4>\n<ul>\n<li>Am Anfang der Diskussion steht nat\u00fcrlich der <strong>Landwirt<\/strong>, aus dessen Ressourcen (Schl\u00e4ge, Tiere, Maschinen, \u2026) und Betriebsprozessen (Ernten, D\u00fcngen, Z\u00fcchten, \u2026) Daten generiert werden. Diese Daten werden nicht nur vom Landwirt selbst erzeugt, auch Kunden, Lohnunternehmer, Maschinenhersteller, Beh\u00f6rden, Verb\u00e4nde und weitere Akteure spielen hier eine Rolle. Wem geh\u00f6ren nun diese Daten? Haben Landwirte generell das Recht, frei \u00fcber diese zu bestimmen oder stehen dem andere, berechtigte Interessen gegen\u00fcber?<\/li>\n<li><strong>Maschinenhersteller und Dienstleister<\/strong> r\u00fccken Daten zunehmend in den Kern ihrer Gesch\u00e4ftsmodelle. Hierbei geht es nicht nur um Kundenbindung, sondern auch um Innovation und neue Produkte, die auf der Verf\u00fcgbarkeit gro\u00dfer Datenmengen basieren. Es geht den Herstellern und Dienstleistern sowohl darum, mittels vieler Daten existierende Produkte zu verbessern, als auch darum, neuartige Produkte und Dienstleistungen zu schaffen. Ist es nun vertretbar, dass die, die Innovation schaffen und neues Potential an Wertsch\u00f6pfung auftun auch alleinig davon profitieren oder sollten nicht die, deren Ressourcen die notwendigen Daten generieren, auch am Erfolg teilhaben?<\/li>\n<li><strong>Lohnunternehmer<\/strong> ben\u00f6tigen einerseits Daten von Landwirten, um in deren Auftrag Arbeiten durchzuf\u00fchren und erzeugen andererseits mit eigenen Ressourcen Daten, die aus dem Betriebskontext verschiedener Landwirte stammen. Wer darf nun \u00fcber Daten bestimmen, die bei Auftragsarbeiten erhoben wurden?<\/li>\n<li><strong>Staatliche Stellen<\/strong> verf\u00fcgen \u00fcber Daten (z.B. Katasterdaten, Bodenwertkarten, Fachinformationen, \u2026) und verlangen Daten, etwa zur Dokumentation und Kontrolle (ein aktuell h\u00e4ufig diskutiertes Beispiel ist die D\u00fcngemittelverordnung). L\u00e4ngst bezeichnen sich einige Landwirte als \u201egl\u00e4sern\u201c gegen\u00fcber dem Staat, der umfassende Einblicke verlangt. Ist das staatliche Interesse in allen F\u00e4llen und mit allen Mitteln gerechtfertigt oder sollte Landwirten nicht auch ein Recht auf selbstbestimmteren Umgang mit Daten einger\u00e4umt werden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neben diesen Gruppen gibt es in der Landwirtschaft weitere relevante, wie z.B. Betriebsmittelhersteller, Berater, Genossenschaften, Land-, Gro\u00df- und Einzelhandel, Nahrungsmittelproduzenten und nicht zuletzt auch die Verbraucher. F\u00fcr die folgende Diskussion soll die obige Aufz\u00e4hlung gen\u00fcgen.<\/p>\n<h3>Systeme in der digitalen Landwirtschaft<\/h3>\n<p>Die heutige Landwirtschaft setzt ein breites Spektrum an digitalen Systemen ein, die verschiedenste Funktionen erf\u00fcllen, Daten produzieren und auch konsumieren. Teilautonome, GPS-gesteuerte Landmaschinen sind schon lange im Einsatz, stark im Aufwind sind moderne Sensorsysteme zur Erfassung umfassender Umweltparameter. In den letzten Jahren entstanden vor allem um die Produkte von Maschinenherstellern herum digitale L\u00f6sungen und Plattformen, die Maschinen mit Software und Clouddiensten verbinden. Neue Gesch\u00e4ftsmodelle entstehen z.B. in der Beratung auf Basis datengetriebener, kognitiver Prognosen oder der Fern\u00fcberwachung von Pflanzenzust\u00e4nden mittels Satellit und Drohne. Zunehmend werden Komponenten und Systeme verschiedener Anbieter und Dienstleister miteinander verbunden, wobei solche Initiativen h\u00e4ufig noch am Beginn stehen. Statt durchg\u00e4ngiger und hersteller\u00fcbergreifender Integration von Maschinen, Software und Dienstleistungen, ist das digitale \u00d6kosystem Landwirtschaft heute noch stark von Insell\u00f6sungen gepr\u00e4gt, was insbesondere f\u00fcr Landwirte die \u00dcbersicht und Nutzbarkeit erschwert. Einige wenige Ans\u00e4tze und Initiativen adressieren die Problematik und erarbeiten L\u00f6sungen zur hersteller\u00fcbergreifenden Verbindung auf Cloudebene (vgl. u.a. DataConnect oder Agrirouter), trotzdem bleibt die oft fehlende Konnektivit\u00e4t noch eine gro\u00dfe H\u00fcrde f\u00fcr die Nutzung digitaler Systeme und Dienstleistungen in der Landwirtschaft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5691\" aria-describedby=\"caption-attachment-5691\" style=\"width: 698px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5691\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image2-698x332.png\" alt=\"Exemplarische Darstellung des digitalen Dom\u00e4nen\u00f6kosystems Landwirtschaft\" width=\"698\" height=\"332\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image2-698x332.png 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image2-400x190.png 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image2-768x365.png 768w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image2.png 1199w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5691\" class=\"wp-caption-text\">Exemplarische Darstellung des digitalen Dom\u00e4nen\u00f6kosystems &#8222;Landwirtschaft&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Abbildung zeigt einen exemplarischen \u00dcberblick \u00fcber das digitale Dom\u00e4nen\u00f6kosystem Landwirtschaft. Die vier Gruppen bilden eigene digitale \u00d6kosysteme und k\u00f6nnen etwa Plattformen von Landmaschinenherstellern darstellen, die ihr jeweiliges Produktportfolio \u00fcber eigene Daten- und Diensteplattformen anbieten. Es kann sich dabei aber auch um Farm-Management-Informationssysteme (FMIS) handeln, die \u00fcber eigene Schnittstellen Daten von Maschinen \u00fcbertragen. Die Gesamtheit der einzelnen digitalen \u00d6kosysteme bezeichnen wir als Dom\u00e4nen\u00f6kosystem (hier f\u00fcr die Landwirtschaft). Nutzer der Plattformen oder FMIS sind bspw. Landwirte, die dort Ihre agronomischen Daten verwalten und nutzen. Dienstanbieter k\u00f6nnen u.a. Lohnunternehmer sein oder kleine Unternehmen mit Wetter- und Beratungsdiensten.<\/p>\n<p>In der Abbildung wird sichtbar, dass ein Nutzer oder Anbieter mit gemischten Maschinenparks auf verschiedenen digitalen Plattformen aktiv sein muss, um die jeweilige Funktionalit\u00e4t nutzen zu k\u00f6nnen. Diese Problematik wird sich zuk\u00fcnftig abschw\u00e4chen, wenn die Systeme st\u00e4rker integriert werden (sei es durch direkte Verbindungen zwischen Plattformen wie in der Abbildung mit der gestrichelten Linie dargestellt oder \u00fcber Datenhubs). F\u00fcr den Austausch von Daten und die durchg\u00e4ngige Nutzbarkeit sind das gute Aussichten. Die Diskussion der Datensouver\u00e4nit\u00e4t wird dann allerdings wesentlich komplexer, da diese nun nicht mehr \u201enur\u201c auf einzelnen Plattformen oder FMIS gesichert werden muss, sondern im verteilten Datenraum.<\/p>\n<h3>Datensouver\u00e4nit\u00e4t und die rechtliche Situation<\/h3>\n<p>Ein beispielhaftes Szenario: wenn ein Lohnunternehmer das Feld eines Landwirtes erntet und seine Maschine dabei eine Vielzahl von Daten erfasst (vom Dieselverbrauch pro Stunde bis zu Ertrag in Rohprotein): wem \u201egeh\u00f6ren\u201c diese Daten und wer darf \u00fcber sie bestimmen? Dieselverbrauch und weitere Telemetrie der Maschine sind h\u00e4ufig (nicht ganz zu Unrecht) gut geh\u00fctete Geheimnisse der Hersteller. Die Kenntnis des Ertrags sollte doch alleine dem Landwirt zustehen? Erfasst wird der Ertrag aber vom Lohnunternehmer durch dessen Maschine und wird auch meist durch dessen angebundene Software dokumentiert. Wer soll nun welche \u201eRechte\u201c an welchen Daten haben und welche Rechtsbegriffe k\u00f6nnten \u00fcberhaupt greifen?<\/p>\n<p>Im t\u00e4glichen Gesch\u00e4ftsleben ist vieles geregelt, insbesondere wenn es um Eigentum geht. Bei Daten verh\u00e4lt es sich anders, das<strong> B\u00fcrgerliche Gesetzbuch (BGB) <\/strong>kennt kein Eigentum an Daten. Das bedeutet, dass man in Deutschland kein Eigent\u00fcmer von Daten sein kann und in der Konsequenz auch nicht frei \u00fcber diese verf\u00fcgen kann. F\u00fcr die Datensouver\u00e4nit\u00e4t bedeutet das in erster Linie, dass Eigentumsrechte keinen Hebel bieten, um Anspr\u00fcche an Daten durchzusetzen. In dem einf\u00fchrenden Beispiel kann der Landwirt sich nicht auf Eigentumsrechte an den Ertragsdaten beziehen und so von Lohnunternehmer oder Maschinenhersteller verlangen, mit den Daten aus seinem betrieblichen Kontext nach seinen W\u00fcnschen zu verfahren. Gleiches gilt aber auch f\u00fcr Lohnunternehmer und Maschinenhersteller.<\/p>\n<p>Ein weiterer Ansatz k\u00f6nnte sein, die <strong>Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)<\/strong> zu nutzen. Da die DSGVO aber ausschlie\u00dflich f\u00fcr den Privatsph\u00e4renschutz geschaffen wurde, erscheint der Einsatz bei betrieblichen Anwendungsf\u00e4llen zumindest fraglich. Sie sch\u00fctzt dort zwar die personenbezogenen Daten von Mitarbeitenden, bietet aber keinen hinreichenden Schutz f\u00fcr agronomische Daten des Betriebs. Und selbst wenn diese Daten unter die DSGVO fallen w\u00fcrden, weist sie keine Verf\u00fcgungsbefugnis zu und stellt kein geeignetes Instrument dar, um Datensouver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr die jeweiligen Interessensvertreter durchzusetzen.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung k\u00f6nnte in der <strong>privatrechtlichen Gestaltung<\/strong> liegen: Vertr\u00e4ge zwischen den Beteiligten Akteuren (Landwirt, Lohnunternehmer, Maschinenhersteller, \u2026) k\u00f6nnen so gestaltet werden, dass die Datennutzung klar geregelt wird. Aber auch hier gilt: so einfach ist es nicht. Zun\u00e4chst m\u00fcssten alle Datenarten und -quellen klar benannt und explizit geregelt werden. Dabei m\u00fcssen alle Beteiligten in die vertraglichen Regelungen miteinbezogen werden, was in unserem Beispiel oben schon drei Parteien umfasst. Als mit eines der gr\u00f6\u00dften Hemmnisse sehen wir bei der vertraglichen Regelung allerdings das Machtverh\u00e4ltnis zwischen Landwirt und Industrie: ganz gleich, mit wem Landwirte Vertr\u00e4ge schlie\u00dfen, sie stehen meistens Unternehmen mit Marktmacht und gro\u00dfen Rechtsabteilungen gegen\u00fcber. Individuelle, frei verhandelte vertragliche Regelungen sind f\u00fcr einzelne Landwirte schwer durchzusetzen, w\u00e4ren aber auch nicht praktikabel oder zielf\u00fchrend. Viele Unternehmen gew\u00e4hren Landwirten bereits alleinige Rechte an Daten aus dem betrieblichen Kontext und haben freiwillige Selbstverpflichtungen zur Datennutzung ver\u00f6ffentlicht <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[1]<\/a>, allerdings stehen die Landwirten auch dann komplexen Gesch\u00e4ftsbedingungen, Lizenzvertr\u00e4gen und schwer \u00fcberschaubaren Systemen von Datenfl\u00fcssen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Um die Digitalisierung effektiv einzusetzen, ist die Vernetzung von Systemen und der Austausch von Daten erstrebenswert. Um in der Landwirtschaft die vollumf\u00e4ngliche Datensouver\u00e4nit\u00e4t zu erreichen, sch\u00e4tzen wir rechtliche oder vertragliche Regelungen allerdings nicht als alleinig ausreichend ein.<\/p>\n<h3>Wege zur fairen Daten\u00f6konomie<\/h3>\n<p>Wie diskutiert gibt es in der Landwirtschaft verschiedene Interessensgruppen mit jeweils eigenen Anspr\u00fcchen und Interessen an Daten. Viele dieser Interessen sind gut begr\u00fcndet &#8211; von datengetriebenen Innovationen kann nicht nur die Branche profitieren, sondern auch Gesellschaft und Umwelt. Es gilt aber, einen gerechten Ausgleich zwischen den Beteiligten herzustellen. Wenn ein Landwirt als Eigent\u00fcmer der datengenerierenden Ressource nicht am sp\u00e4teren Erfolg dieser Daten partizipieren kann, warum sollte er sie dann teilen?<\/p>\n<p>Ganz klar: ein gut balancierter und fairer Ausgleich muss die Interessen aller Seiten ber\u00fccksichtigen. Wenn etwa der Dieselverbrauch pro Stunde R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Technologie eines Herstellers erlaubt, sollte er dann nicht das Recht haben, diese Daten exklusiv zu nutzen? Nicht nur Landwirte werden sich Datensouver\u00e4nit\u00e4t w\u00fcnschen, gleiches gilt auch f\u00fcr Unternehmen und Dienstleister. Aber ganz gleich, wie die Balance zwischen Akteuren ausgestaltet wird: man muss zun\u00e4chst einmal die M\u00f6glichkeit haben, diesen Ausgleich auch umzusetzen. F\u00fcr uns hei\u00dft das: ohne ein Werkzeug zur Durchsetzung der Datensouver\u00e4nit\u00e4t wird ein Ausgleich der Interessen kaum zu erreichen sein und die rechtlichen und vertraglichen M\u00f6glichkeiten alleine bieten aus unserer Sicht kein solches Werkzeug an.<\/p>\n<h4>Mit Technologie l\u00f6sbar?<\/h4>\n<p>Wir formulieren folgende Hypothese: wenn rechtliche oder vertragliche Ans\u00e4tze zur Durchsetzung von Datensouver\u00e4nit\u00e4t nicht gen\u00fcgen, kann man es dann technisch l\u00f6sen? Technologie k\u00f6nnte das gesuchte Werkzeug sein, um Datensouver\u00e4nit\u00e4t im landwirtschaftlichen Datenraum durchzusetzen. Sie m\u00fcsste so gestaltet sein, dass die Anforderungen der Datensouver\u00e4nit\u00e4t erf\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe technische und prozessuale Komplexit\u00e4t der Dom\u00e4ne Landwirtschaft macht eine technische L\u00f6sung nicht einfach. Der zu investierende Aufwand ist aus unserer Sicht allerdings gerechtfertigt, denn ein Mangel an Datensouver\u00e4nit\u00e4t kann zu einem Mangel an Akzeptanz digitaler Prozesse und Systeme f\u00fchren, was die Digitalisierung insgesamt und damit M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Innovation und Wettbewerbsf\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt. Treiber der Digitalisierung m\u00fcssen generell darauf achten, die Landwirte als Hauptzielgruppe mitzunehmen und gut zu erkl\u00e4ren, warum sie Prozesse unterst\u00fctzt statt verkompliziert. Technisch-digitale L\u00f6sungen m\u00fcssen einfach zu nutzen sein, Digitalisierung bleibt ein Werkzeug und darf nicht zum Selbstzweck werden. Die Arbeit von Landwirten soll weiterhin die Landwirtschaft sein und nicht die Administration digitaler Systeme oder komplexer Zugriffsberechtigungen.<\/p>\n<h4>Mit Datennutzungskontrolle zu Datensouver\u00e4nit\u00e4t<\/h4>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.cognitive-agriculture.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fraunhofer-Leitprojekt Cognitive Agriculture (COGNAC)<\/a> untersuchen und erproben wir neue und existierende L\u00f6sungen auf deren Anwendbarkeit in der digitalen Dom\u00e4ne Landwirtschaft. Technologien zur Umsetzung von Datennutzungskontrolle bieten hierzu einen vielversprechenden Ansatz. Mehr als ein reiner Zugriffsschutz erm\u00f6glichen sie etwa, dass Daten nur in einem bestimmten Kontext genutzt werden d\u00fcrfen und eine Zustimmung dazu auch widerrufbar ist. Die <a href=\"https:\/\/www.internationaldataspaces.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">International Dataspace-Initiative\u00a0(IDS)<\/a> setzt sich zum Ziel, einen sicheren Datenraum zu schaffen mit souver\u00e4ner Bewirtschaftung der \u201eeigenen\u201c Daten. Zum Einsatz kommen dabei u.a. L\u00f6sungen der <a href=\"https:\/\/www.mydata-control.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">MYDATA Control Technologies<\/a>, die ebenfalls von Fraunhofer entwickelt wurden. Im Rahmen von COGNAC wollen wir diese Technologien auf Eignung f\u00fcr die digitale Dom\u00e4ne Landwirtschaft pr\u00fcfen und Einsatzm\u00f6glichkeiten skizzieren. So w\u00fcrde ein gemeinsamer Agrar-Datenraum entstehen, ein <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/content\/dam\/iese\/de\/dokumente\/innovationsthemen\/COGNAC_Whitepaper_ADS2019.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Agricultural Data Space<\/a>.<\/p>\n<p>Datensouver\u00e4nit\u00e4t ist ein Thema f\u00fcr alle Interessengruppen in der Landwirtschaft. Wir fokussieren zun\u00e4chst aber auf Landwirte und die M\u00f6glichkeit, in deren t\u00e4glicher Arbeit die Kontrolle \u00fcber Daten aus ihrem Betriebskontext zu behalten. Interessierte Unternehmen sollten sich mit den Konzepten des IDS auseinandersetzen, da dort deren Datensouver\u00e4nit\u00e4t im Fokus steht. Die folgenden Beispielszenarien sollen die Anwendungsm\u00f6glichkeiten von Datennutzungskontrolle in der Landwirtschaft exemplarisch aufzeigen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Lohnunternehmer soll Arbeiten auf Feldern eines Landwirtes durchf\u00fchren, dazu ben\u00f6tigt er Daten des Betriebes (bspw. Feldgrenzen, fr\u00fchere Applikationen, Nmin-Wert, usw.). Durch Datennutzungskontrolle kann der Landwirt ihm den Zugriff auf diese Daten gew\u00e4hren und zus\u00e4tzlich bestimmte Einschr\u00e4nkungen vorgeben, wie etwa den Zugriff nur f\u00fcr die Zeitdauer der Arbeiten oder nur innerhalb bestimmter geografischer Grenzen (\u201eGeofencing\u201c) zu erm\u00f6glichen.<\/li>\n<li>Forscher wollen eine regionale, wissenschaftliche Studie zur Nitratbelastung durchf\u00fchren. Mithilfe Technologien der Datennutzungskontrolle k\u00f6nnen Landwirte Daten daf\u00fcr anonymisiert bereitstellen. Softwaretechnologien entfernen dann automatisch Inhalte, die auf betroffene Felder, Landwirte oder Standorte hindeuten.<\/li>\n<li>Ein Landwirt erlaubt einem Berater Zugriff auf agronomischen Daten aus seinem Betrieb und gestattet ihm auch, einen Teil davon mit anderen Beratern zu teilen, um Betriebsvergleiche anzustellen. Die Datennutzungskontrolle sorgt nun daf\u00fcr, dass der Landwirt \u00fcber jede Weitergabe seiner Daten an andere Berater per Mail informiert wird.<\/li>\n<li>In einem anderen Fall erlaubt ein Landwirt einem Berater Zugriff auf agronomische Daten, erlaubt aber nicht die Weitergabe. Die Datennutzungskontrolle stellt nun sicher, dass der Berater die Daten zwar nutzen, aber nicht weitergeben kann.<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_5692\" aria-describedby=\"caption-attachment-5692\" style=\"width: 698px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5692\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image3-698x264.png\" alt=\"Beispielhafte Anwendungsf\u00e4lle von Datennutzungskontrolle in der Landwirtschaft\" width=\"698\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image3-698x264.png 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image3-400x151.png 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image3-768x291.png 768w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image3-1320x499.png 1320w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image3.png 1533w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5692\" class=\"wp-caption-text\">Beispielhafte Anwendungsf\u00e4lle von Datennutzungskontrolle in der Landwirtschaft<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Mit Datensouver\u00e4nit\u00e4t zur Daten\u00f6konomie<\/h4>\n<p>Es existieren unz\u00e4hlige Anwendungsf\u00e4lle f\u00fcr den Einsatz von Datennutzungskontrolle in der Landwirtschaft. In vielen F\u00e4llen werden dabei die Interessen von einzelnen Gruppen st\u00e4rker ber\u00fccksichtig sein als die anderer Gruppen. Uns ist es wichtig, Datennutzungskontrolle nicht als Einschr\u00e4nkung zu verstehen, sondern sie zur Bef\u00e4higung zu nutzen. Wenn sich alle an einem Datenraum Beteiligten sicher aufgehoben und fair behandelt f\u00fchlen, w\u00e4chst die Bereitschaft zum Teilen von Daten. Auf der Basis dieser Bereitschaft kann eine Daten\u00f6konomie aufgebaut werden, in der ein gut balancierter, gemeinschaftlicher Umgang mit Daten den N\u00e4hrboden f\u00fcr Effizienz und Innovation schafft.<\/p>\n<h3>Welche \u00d6kosystemarchitektur f\u00fcr Datensouver\u00e4nit\u00e4t?<\/h3>\n<p>Ein weiterer Aspekt im Mittelpunkt des Forschungsprojekts COGNAC ist die Suche nach der <strong>geeigneten Systemarchitektur<\/strong> f\u00fcr das digitale Dom\u00e4nen\u00f6kosystem Landwirtschaft. Fragen wie \u201eWie arbeiten verschiedene digitale Plattformen zusammen (wenn \u00fcberhaupt)?&#8220;, &#8222;Welche zentralen Funktionen k\u00f6nnen das \u00d6kosystem unterst\u00fctzen?&#8220;, &#8222;Welche Rolle nehmen Datenhubs ein?\u201c adressieren nur einige der dabei relevanten Aspekte. Wir diskutieren verschiedene, vom Status Quo abgeleitete Gestaltungsans\u00e4tze unter Ber\u00fccksichtigung einer Auswahl an Forschungsfragen. Eine dieser Fragen dreht sich um den Komplex Datensouver\u00e4nit\u00e4t und wie diese mit Datennutzungskontrolle erreicht werden kann. Die Architektur des digitalen Dom\u00e4nen\u00f6kosystems ist dabei von besonderer Bedeutung, da je nach Ausgestaltung die Implementierung einer Datennutzungskontrolle ganz verschiedenen Anforderungen gegen\u00fcbersteht:<\/p>\n<p>In <strong>eigenst\u00e4ndigen Insell\u00f6sungen<\/strong> kann Datennutzungskontrolle zentral an einer Stelle umgesetzt werden. Das ist schon nicht trivial und verlangt gute Planung sowie aufw\u00e4ndige Implementierung. Die Anforderungen in einem verteilten System mit unabh\u00e4ngigen digitalen Plattformen ist ungleich anspruchsvoller. Hier kann die Architektur des digitalen \u00d6kosystems eine bedeutende Rolle spielen und wesentlich die m\u00f6glichen Umsetzungen bestimmen.<\/p>\n<p>Im weiter oben eingef\u00fchrten Beispiel haben wir ein digitales \u00d6kosystem mit kaum Verbindungen zwischen einzelnen Plattformen skizziert. Denken wir die Entwicklung nun weiter bis zu einem Punkt, in dem alle bisher eigenst\u00e4ndigen Systeme untereinander verbunden sind (vgl. Abbildung unten). Nun k\u00f6nnen Nutzer einzelner Plattformen auch auf Datenbest\u00e4nde auf anderen Plattformen zugreifen. Wir gehen weiter davon aus, dass die Daten untereinander kompatibel und austauschbar sind. In diesem Szenario muss Datennutzungskontrolle nun auf allen Plattformen in allen Systemen integriert sein und miteinander kommunizieren k\u00f6nnen, um die Anforderungen der Datensouver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr einzelne Nutzer sicherzustellen. Diesen <strong>dezentralen Ansatz<\/strong> verfolgt der IDS: jede Plattform stellt \u00fcber sogenannte Konnektoren die Verbindung zu den Konnektoren der anderen Plattformen her. Die Implementierung der Konnektoren muss dabei u.a. Funktionen einer Datennutzungskontrolle anbieten, mit der auf technologischer Basis die Datensouver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr die Teilnehmer erreicht werden kann. Dieses Konzept hat Vorteile in der Flexibilit\u00e4t des gesamten Systems und der Unabh\u00e4ngigkeit der einzelnen Teilsysteme. Es gibt aber auch Nachteile wie z.B. erh\u00f6hten Koordinationsaufwand zwischen den einzelnen Systemen und erh\u00f6htem Implementierungsaufwand (jede Plattform muss eigene Konnektoren umsetzen). Aus Perspektive von Landwirten kann es zudem schwer sein, die eigenen, verteilten Datenbest\u00e4nde zu \u00fcberblicken und unter Kontrolle zu halten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5693\" aria-describedby=\"caption-attachment-5693\" style=\"width: 698px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5693\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image4-698x329.png\" alt=\"Direkte Verbindung digitaler Plattformen\" width=\"698\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image4-698x329.png 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image4-400x188.png 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image4-768x362.png 768w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image4.png 1206w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5693\" class=\"wp-caption-text\">Direkte Verbindung digitaler Plattformen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Alternative bietet eine \u00d6kosystemarchitektur mit einem <strong>zentralen Ansatz<\/strong>. In diesem gibt es eine zentrale Datenplattform, die die Datenbest\u00e4nde von bspw. Landwirten h\u00e4lt und nach Bedarf (und Zustimmung!) an weitere Teilsysteme oder Dienstleister weitergibt (s. n\u00e4chste Abbildung). Diese Datenplattform k\u00f6nnte nun Datennutzungskontrolle intern umsetzen und f\u00fcr weitere Dienste und Plattformen eine einfach zu nutzende L\u00f6sung f\u00fcr Datenhaltung und Datenzugriff anbieten. Erste Angebote solcher Datenplattformen sind bereits im Markt pr\u00e4sent, werden in der Branche allerdings auch kontrovers diskutiert: liefere ich mich hier einem einzelnen Anbieter und auch dessen Erfolg oder Nichterfolg aus? Kann ich meine L\u00f6sungen noch nach meinem Takt entwickeln, wenn ein anderes Unternehmen die Schnittstellen bestimmt? Welche Interessen verfolgt \u00fcberhaupt der Betreiber? Auch f\u00fcr diesen Ansatz gilt: es gibt Vor- und Nachteile. Die Koordination und technische Umsetzung k\u00f6nnte einfacher sein und Landwirte behalten leicht den \u00dcberblick \u00fcber ihre Daten. Umgekehrt werden hohe Anforderungen an den Betreiber der zentralen Plattform gestellt werden m\u00fcssen, er muss etwa neutral und stabil sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5694\" aria-describedby=\"caption-attachment-5694\" style=\"width: 698px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5694\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image5-698x329.png\" alt=\"Zentrale Datenplattform zur Datenhaltung\" width=\"698\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image5-698x329.png 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image5-400x189.png 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image5-768x362.png 768w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image5.png 1202w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5694\" class=\"wp-caption-text\">Zentrale Datenplattform zur Datenhaltung<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Quo vadis Landwirtschaft?<\/h3>\n<p>Welche Variante ist die richtige? Das will und kann dieser Artikel nicht kl\u00e4ren. Die Diskussion der Datensouver\u00e4nit\u00e4t sollte einen kleinen Ausschnitt der Fragestellungen, Themen im Kontext und L\u00f6sungsans\u00e4tze zeigen, denen wir uns im Rahmen des Fraunhofer-Leitprojekts COGNAC widmen. Unser Ziel im Projekt ist dabei nicht der Bau oder Betrieb einer weiteren Plattform. Wir wollen verstehen, wie das digitale Dom\u00e4nen\u00f6kosystem Landwirtschaft funktioniert und welche Herausforderungen bestehen. F\u00fcr einige dieser Herausforderungen werden wir gezielt L\u00f6sungsans\u00e4tze zu Konzepten entwickeln, um zusammen mit Partnern aus Forschung und Praxis die digitale Landwirtschaft weiter voran zu bringen.<\/p>\n<p>Maschinenhersteller, Saatguthersteller oder Betriebsmittelhersteller in der Landwirtschaft sind oft global unterwegs und viele bestehende Plattformen lassen sich bereits grenz\u00fcbergreifend einsetzen. Gleichzeitig sind Landwirtschaftspolitik und rechtliche Standards zum Umgang mit Daten wichtige politische Themen in Deutschland und der EU. Initiativen wie <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Dossier\/gaia-x.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">GAIA-X des BMWi<\/a> sollen national und europaweit auch branchenspezifische Anwendungsf\u00e4lle unterst\u00fctzen, so dass auch von dieser Seite Impulse f\u00fcr Daten\u00f6konomien in der Landwirtschaft zu erwarten sind.<\/p>\n<h4>Digitalisierung als Gewinn f\u00fcr die Landwirtschaft?<\/h4>\n<p>Die Digitalisierung ist f\u00fcr die Landwirtschaft ein enormer Gewinn, sie kann Prozesse effizienter gestalten, die Arbeit von Landwirten vereinfachen, und &#8211; ganz wichtig &#8211; Innovationen erm\u00f6glichen. Sie darf aber kein Selbstzweck sein und muss sich selbst rechtfertigen, indem sie gut erkl\u00e4rt und motiviert, warum und wo sie Sinn macht. Im Kontext hohen Kostendrucks und niedriger Investitionsspielr\u00e4ume bei Landwirten m\u00fcssen L\u00f6sungen zudem erschwinglich und niedrigschwellig nutzbar sein. Die Herausforderungen aus der Digitalisierung erscheinen auf den ersten Blick kaum zu erfassen, sind aber l\u00f6sbar, wenn man sie nach und nach angeht. Eine gro\u00dfe Herausforderung und gleichzeitig aber auch eine gro\u00dfe Chance sehen wir in der Datensouver\u00e4nit\u00e4t. K\u00f6nnen die verschiedenen Interessengruppen souver\u00e4n \u00fcber \u201eihre\u201c Daten bestimmen, f\u00fchrt das unserer \u00dcberzeugung nach zu Vorteilen f\u00fcr das \u00d6kosystem und die beteiligten Akteure. Die wesentlichen Punkte dabei:<\/p>\n<ul>\n<li>Bereitschaft zur offenen Kollaboration im Datenraum<\/li>\n<li>Ausgeglichene Machtverh\u00e4ltnisse f\u00fcr eine faire Daten\u00f6konomie<\/li>\n<li>Technologien, die klare und transparente Regeln zur Nutzung von Daten erm\u00f6glichen und sicherstellen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der rechtliche und vertragliche Rahmen alleine gen\u00fcgt unserer Auffassung nach nicht zur Regelung des Umgangs mit Daten in der Landwirtschaft. Aus dem Grund schlagen wir eine technische L\u00f6sung vor, in der Datennutzungskontrolle die Basis bildet, um verschiedenen Interessengruppen Datensouver\u00e4nit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. Verf\u00fcgbare Technologien sind bereits vielf\u00e4ltig und flexibel genug, um sich im schnell entwickelnden Innovationsmarkt Landwirtschaft zu integrieren.<\/p>\n<p><strong>Datensouver\u00e4nit\u00e4t durch Datennutzungskontrolle soll den Austausch und die Nutzung von Daten nicht einschr\u00e4nken, sondern bef\u00e4higen. Nur durch die Bereitschaft der Teilnehmer im \u00d6kosystem, ihre Daten in den Datenraum einzubringen, wird das digitale \u00d6kosystem lebendig.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[1]<\/a> Links zu Selbstverpflichtungen von Herstellern und Verb\u00e4nden, die aufgrund der unklaren, rechtlichen Situation und Unsicherheiten bei den Landwirten formuliert wurden:<\/p>\n<ul>\n<li>EU Code of Conduct on Agricultural Data Sharing: <a href=\"https:\/\/cema-agri.org\/images\/publications\/brochures\/EU_Code_2018.pdf\">https:\/\/cema-agri.org\/images\/publications\/brochures\/EU_Code_2018.pdf<\/a><\/li>\n<li>Bitkom-Positionspapier Datenhoheit und Datennutzung in der Landwirtschaft: <a href=\"https:\/\/www.bitkom.org\/sites\/default\/files\/2019-10\/bitkom_positionspapier-zu-datenhoheit-und-datennutzung-in-der-landwirtschaft_final_191021.pdf\">https:\/\/www.bitkom.org\/sites\/default\/files\/2019-10\/bitkom_positionspapier-zu-datenhoheit-und-datennutzung-in-der-landwirtschaft_final_191021.pdf<\/a><\/li>\n<li>Branchenempfehlung der Verb\u00e4nde zur Datenhoheit des Landwirts: <a href=\"https:\/\/www.raiffeisen.de\/sites\/default\/files\/2018-03\/2018_03_05_Ware_AT_Anl-Branchenempfehlung.pdf\">https:\/\/www.raiffeisen.de\/sites\/default\/files\/2018-03\/2018_03_05_Ware_AT_Anl-Branchenempfehlung.pdf<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daten spielen in heutigen Arbeits- und Gesch\u00e4ftsprozessen eine zunehmend bestimmende Rolle. 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