{"id":4468,"date":"2019-11-18T13:05:59","date_gmt":"2019-11-18T11:05:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.iese.fraunhofer.de\/?p=4468"},"modified":"2024-02-19T12:18:06","modified_gmt":"2024-02-19T11:18:06","slug":"soft-sensor-as-a-service","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/soft-sensor-as-a-service\/","title":{"rendered":"\u00bbSoft-Sensor as a Service\u00ab &#8211; Effektivierung und Automatisierung kognitiver Sensorsysteme"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Sensorsysteme, deren Kalibrationsmodell nicht auf physikalischen Gleichungen, sondern auf maschinell \u2013 \u00bbkognitiv\u00ab \u2013 gelernten Parameters\u00e4tzen basiert, sog. Softsensoren, sind eine Schl\u00fcsseltechnologie f\u00fcr die Erfassung des komplexen biologischen Systems \u00bbPflanze\u00ab mittels Feldsensorik vor dem Hintergrund komplexer biotischer und abiotischer Stressfaktoren. F\u00fcr die effektive und robuste Nutzung dieser Technologie m\u00fcssen ingenieurtechnische Herausforderungen bew\u00e4ltigt werden.<\/p>\n<div class=\"info-box\">\n<p><em>Im Fraunhofer-Leitprojekt <b>\u00bbCognitive Agriculture\u00ab<\/b> (kurz: \u00bbCOGNAC\u00ab) for\u00adschen neben dem Fraunhofer IESE weitere sieben Fraunhofer-Institute gemein\u00adsam an Grundlagen, die dem Landwirt in einer digitalisierten Welt hohe Produkti\u00advit\u00e4t im Einklang mit weiteren Zielen wie Nachhaltigkeit oder Produktqualit\u00e4t er\u00adm\u00f6glichen. Unsere Gastautoren vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF pr\u00e4sentieren ihren Ansatz <\/em>\u00bbSoft-Sensor as a Service\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-9305 alignleft\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-400x400.jpg\" alt=\"Sebastian Warnem\u00fcnde (Fraunhofer IFF)\" width=\"179\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-400x400.jpg 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-698x698.jpg 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-32x32.jpg 32w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-50x50.jpg 50w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-64x64.jpg 64w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-96x96.jpg 96w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-128x128.jpg 128w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-65x65.jpg 65w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Warnemuende_Sebastian-1320x1320.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/p>\n<p>Gastautor\/Ansprechpartner:<\/p>\n<p>Sebastian Warnem\u00fcnde<br \/>\nKognitive Prozesse und Systeme<br \/>\nFraunhofer IFF<\/p>\n<p>Telefon: +49 391 4090-108<\/p>\n<p><a href=\"mailto:sebastian.warnemuende@iff.fraunhofer.de\">sebastian.warnemuende@iff.fraunhofer.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<h3><strong>Ansatz Soft-Sensorik<\/strong><\/h3>\n<p>Vereinfacht gesagt besteht ein Sensorsystem aus zwei Komponenten. Die erste Komponente ist ein Hardwareelement, welches eine bestimmte Eigenschaft eines Objektes durch einen physikalischen Effekt am Detektor in ein systematisch abh\u00e4ngiges Signal oder Verhalten umsetzt. Die zweite Komponente ist ein Kalibrationsmodell, welches dieses Signal oder Verhalten auf die zu bestimmende Eigenschaft eines Objektes abbildet. Ein einfaches Beispiel ist ein klassisches Thermometer, welches aus den Komponenten der Ausdehnung einer Fl\u00fcssigkeit (Verhalten am Detektor) und einer 2-Punkt-Kalibrierung (Gefrier- und Siedepunkt von Wasser) einen Sensor f\u00fcr die Messgr\u00f6\u00dfe Temperatur aufbaut. Die Sensorkalibrierung basiert hier also auf sehr gut untersuchten physikalischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten.<br \/>\nBei der Messung von Eigenschaften im Pflanzenmaterial, noch dazu nicht-invasiv im Feldbestand, sind diese physikalischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten schwieriger zu greifen. Hier sind in der Regel komplexe metabolische Reaktionen involviert, deren Zusammenhang mit den zu messenden Pflanzeneigenschaften nicht trivial und h\u00e4ufig nicht ausreichend bekannt ist. F\u00fcr die nicht-invasive Messung bietet sich vor allem optische Messtechnik an. In der Feldsensorik setzt man hier auf multi- oder hyperspektrale Sensorik, die neben dem visuellen Bereich auch den Infrarotbereich des Lichtes (elektromagnetisches Spektrum) erfasst. Der gemessene Reflexionsgrad des Pflanzenmaterials steht im systematischen Zusammenhang mit Eigenschaften wie N\u00e4hrstoffversorgung oder Krankheitsbefall durch Ver\u00e4nderung des Stoffwechsels in der Pflanze. Diese systematische Abh\u00e4ngigkeit ist aber sehr schwierig physikalisch-chemisch zu formulieren.<\/p>\n<p>Der Ansatz eines Softsensors besteht darin, statt eines physikalisch formulierten Kalibrationsmodells ein datengetriebenes Kalibrationsmodell mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens zu erstellen. Dabei wird ein mathematisches Modell in seinen Parametern anhand von Beispieldaten, die durch systematische Feldmessungen erhoben wurden, optimiert. Das \u00bbLernen\u00ab in \u00bbmaschinellem Lernen\u00ab ist technisch gesprochen eine Parameteroptimierung. Sprachassistenten wie Amazons \u00bbAlexa\u00ab oder Fahrassistenzsysteme wie Teslas \u00bbAutopilot\u00ab sind bekannte Realisierungsformen dieses Ansatzes.<\/p>\n<h3><strong>Herausforderungen des industriellen maschinelles Lernens<\/strong><\/h3>\n<p>Der ingenieurtechnische Einsatz von maschinellem Lernen (ML) und daraus erzeugten Modellen in technischen Ger\u00e4ten ist, obwohl die Konzepte neuronaler Netze schon lange in der Wissenschaft Verwendung finden, ein sehr junges, aber aufstrebendes Technologiefeld. Dementsprechend gibt es immer noch weitestgehend ungel\u00f6ste Herausforderungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Es fehlen Template-L\u00f6sungen f\u00fcr wiederkehrende Problemstellungen.<\/li>\n<li>Es fehlen Vorgehensmodelle f\u00fcr die Erstellung von ML-integrierenden technischen Systemen.<\/li>\n<li>Es fehlen Vorgehensmodelle f\u00fcr das Lifecycle-Management von Modellen.<\/li>\n<li>Es herrscht eine geringe Standardisierung in der Beschreibung von ML-Modellen.<\/li>\n<li>Es herrscht eine geringe Standardisierung beim Einsatz von ML-Modellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kurz gesagt, bei der Erstellung von Systemen mit ML-Komponenten herrscht weitestgehend das Vorgehensmodell der klassischen Manufaktur vor \u2013 wenig Standardisierung, viel Einzelanfertigung.<\/p>\n<p>Unsere Hypothese ist daher: Um industriell in der Softsensorik einsetzbar zu sein, muss maschinelles Lernen selbst zum Industrieprodukt werden. Diesen Ansatz verfolgen wir in zahlreichen Anwendungen.<\/p>\n<h3><strong>Automatisiertes maschinelles Lernen (AutoML)<\/strong><\/h3>\n<p>Ein Schritt in Richtung L\u00f6sung der skizzierten Herausforderungen beginnt bei der Kerntechnologie maschinelles Lernen selbst. Automatisiertes maschinelles Lernen (AutoML) ist der \u00dcberbegriff f\u00fcr aktuelle Bestrebungen, die Erstellung und Validierung von Modellen weitestgehend zu automatisieren. AutoML ist quasi die n\u00e4chste Stufe des maschinellen \u00bbLernens\u00ab, in der nicht nur die numerischen Parameter des Modells, sondern alle Aspekte des Modells automatisch optimiert werden, von der Netzwerkstruktur \u00fcber m\u00f6gliche Merkmalsextraktionen bis hin zur Anzahl der Optimierungsparameter. Generische AutoML-Dienste f\u00fcr weitverbreitete Problemstellungen wie Farbbilderkennung und Sprachdatenauswertung werden inzwischen von gro\u00dfen IT-Firmen angeboten und massiv vorangetrieben.<\/p>\n<p>Das Fraunhofer IFF setzt bereits seit vielen Jahren auf den Einsatz automatisiert gelernter Softsensorsysteme, welche auf das spezielle Anwendungsgebiet der hyperspektralen Bildauswertung im Bereich \u00bbSmart Farming\u00ab und Z\u00fcchtung optimiert sind. Dazu wurde durch die Abteilung Biosystems Engineering die HawkSpex\u00ae Flow Plattform entwickelt, die bisher als internes Werkzeug zur Abwicklung von F&amp;E-Projekten eingesetzt wurde und nun vermehrt f\u00fcr die Erstellung von ML-Diensten Verwendung findet.<\/p>\n<h3><strong>Automatisierter Softsensor-Workflow<\/strong><\/h3>\n<p>Ein automatisiertes ML-Grundsystem ist aber nur der Anfang. Die n\u00e4chste Stufe ist die Konfiguration eines automatisierten Workflows mittels der HawkSpex\u00ae Flow Plattform, der einen klar umrissenen Softsensor Use Case abbildet. Dieser Workflow konkretisiert das Softsensorsystem weiter, z.B. ob der Sensor als Anomaliedetektor, als Klassifikator oder als quantitatives Prognosemodell arbeiten soll. ML-Methoden und Verarbeitungselemente des Workflows werden passend zu den Eigenschaften der Inputdaten konfiguriert, z.B. ob das System Zeitreihen oder Snapshotdaten, vektorielle oder funktionelle Daten oder Daten mit einer spezifischen Kodierung \/ Semantik verarbeiten soll. Durch den modularen Aufbau lassen sich hier wiederverwendbare Template-L\u00f6sungen f\u00fcr \u00e4hnliche Problemstellungen erzeugen und systematisieren.<\/p>\n<p>Nachfolgend kann dieses Workflowsystem durch Virtualisierung (z.B. als Docker Container) zu einem Webdienst verpackt werden und in einer beliebigen Cloud-Infrastruktur gehostet werden. Das Fraunhofer IFF ist damit in der Lage, automatisierte, problemspezifische Softsensordienste f\u00fcr den Einsatz beim Kunden anzubieten, entweder gehostet durch das IFF oder f\u00fcr den Einsatz in der IT-Infrastruktur des Kunden oder bei kommerziellen Drittanbietern.<\/p>\n<h3><strong>Bereitstellung Kalibrationsmodell<\/strong><\/h3>\n<p>Die Entwicklung der Software-Frameworks f\u00fcr das maschinelle Lernen geht best\u00e4ndig hin zu Hoch- und Interpretersprachen auf immer abstrakteren Komplexit\u00e4tsleveln. Gleichzeit muss das Softsensormodell bei der Liveauswertung der Daten m\u00f6glichst hardwarenah eingesetzt werden. Weiterhin ist das Feld der ML-Frameworks einem best\u00e4ndigen und rasanten Wandel unterlegen. Frameworks wie Tensorflow (Google LLC) haben es innerhalb weniger Jahren geschafft, das komplette Technologiefeld zu durchdringen und auf den Kopf zu stellen. Daraus folgt, dass ein entwickeltes ML-Modell unabh\u00e4ngig vom Lern-Framework beschrieben werden muss und dass eine Trennung zwischen High-Level ML bei der Modellerstellung und Low-Level ML bei der Modellausf\u00fchrung notwendig ist. Dieser Prozess, aktuell als \u00bbModel Serving\u00ab bezeichnet, wird vom Fraunhofer IFF seit Jahren systematisch verfolgt und vorangetrieben. Dazu wurde vom Fraunhofer IFF eine Bibliothek namens HawkSpex\u00ae Embedded entwickelt, welche ein in Parameter und Funktion beschriebenes ML-Modell laden und hardwarenah am Sensor einsetzen kann. Diese Komponente findet in klassischen Desktoprechnern, in Embedded Systemen wie Smartphones oder Haushaltsger\u00e4ten sowie auf industrieller Edge Hardware Verwendung und ist unser singul\u00e4rer Bereitstellungpunkt f\u00fcr ML-Modelle.<\/p>\n<h3><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h3>\n<p>Die F&amp;E-Arbeiten des Fraunhofer IFF in den letzten Jahren haben die Validit\u00e4t des Einsatzes von Softsensorik f\u00fcr die landwirtschaftliche und z\u00fcchterische Feldsensorik gezeigt. Die verwendete Kerntechnologie des maschinellen Lernens wird jetzt zunehmend ingenieurtechnisch eingesetzt und unterliegt noch gro\u00dfen Herausforderungen, welche typisch f\u00fcr die \u00dcberf\u00fchrung von wissenschaftlicher Methodik in die technische Praxis sind. Die Fraunhofer-Gesellschaft sieht sich, ihrem Leitbild entsprechend, in der Verantwortung, diese Umsetzung zu gestalten und voranzutreiben.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck entwickelt das Fraunhofer IFF die Methoden und Werkzeuge, die f\u00fcr die L\u00f6sung der skizzierten Herausforderungen notwendig sind. Das Fraunhofer-Leitprojekt COGNAC bietet hier die idealen Rahmenbedingungen, um diese Entwicklungen zu vertiefen und innerhalb des Konsortiums nutzbar zu machen.<\/p>\n<h3><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.iff.fraunhofer.de\/de\/geschaeftsbereiche\/logistik-fabriksysteme\/spektralsensorik-fuer-die-landwirtschaft.html\">Website des Fraunhofer IFF<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.cii.de\/\">Website des Centrums f\u00fcr Industrielle Intelligenz<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"info-box\">\n<p>Sie m\u00f6chten das Projekt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/de\/projekt\/cognitive-agriculture.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbCognitive Agriculture\u00ab (COGNAC)<\/a>\u00a0weiterverfolgen und keine Neuigkeiten rund um die digitale Transformation in der Landwirtschaft verpassen? 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