{"id":4331,"date":"2020-01-30T09:59:14","date_gmt":"2020-01-30T07:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.iese.fraunhofer.de\/?p=4331"},"modified":"2024-05-27T13:39:46","modified_gmt":"2024-05-27T11:39:46","slug":"anforderungsdokumentation-4-dokumentationsumfang-eingrenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-4-dokumentationsumfang-eingrenzen\/","title":{"rendered":"Anforderungsdokumentation (4\/5): Dokumentationsumfang eingrenzen bei der Dokumentation agiler Anforderungen"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Die Anforderungsdokumentation ist ein wichtiges Werkzeug im Anforderungsmanagement. In Projekten, in denen sich Anforderungen im Verlauf nicht wesentlich \u00e4ndern, kann eine gute Dokumentation relativ leicht erreicht werden. Bei agilen Projekten hingegen liegt es in der Natur der Sache, dass sich Anforderungen sowie deren Zusammensetzungen stetig \u00e4ndern. Die daraus entstehende Notwendigkeit, die Dokumentation anzupassen und zu aktualisieren, wird oft als unn\u00f6tiger Mehraufwand angesehen. Wieso es zu dieser Wahrnehmung kommt und wie der Umgang mit Dokumentation gestaltet werden kann, sodass deren Vorteile im agilen Kontext \u00fcberwiegen, untersuchen wir in dieser f\u00fcnfteiligen Reihe von Blog-Artikeln.<\/p>\n<div class=\"info-box\">\n<p>Dieser Blog-Post ist der erste Teil einer f\u00fcnfteiligen Serie von Artikeln zum Thema Anforderungsdokumentation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-1-warum-eine-anforderungsdokumentation-erstellen\/\">\u2460 Warum eine Anforderungsdokumentation erstellen?<\/a><br \/>\nTeil\u00a01 untersucht, warum Anforderungen \u00fcberhaupt dokumentiert werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsmanagement-2-der-mythos-keine-dokumentation-fuer-agile-anforderungen\/\">\u2461 Der Mythos \u201eKeine Dokumentation\u201c f\u00fcr agile Anforderungen<\/a><br \/>\nTeil 2 untersucht, wie die Anforderungsdokumentation agil bleiben kann, ohne Chaos zu verursachen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-3-herausforderungen-bei-dokumentation-agiler-anforderungen\/\" rel=\"noopener noreferrer\">\u2462 Typische Herausforderungen bei der Dokumentation agiler Anforderungen<\/a><\/p>\n<p>Teil 3 untersucht wie Dokumentation eine konstruktive Rolle in einer agilen Umgebung spielen kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-4-dokumentationsumfang-eingrenzen\/\" rel=\"noopener noreferrer\">\u2463 Dokumentationsumfang eingrenzen bei der Dokumentation agiler Anforderungen<\/a><\/p>\n<p>Teil 4 untersucht, wie das Chaos verhindert wird, dass durch ein Auswuchern der Dokumentation entstehen kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-5-werkzeuge-fuer-die-anforderungsdokumentation\/\" rel=\"noopener noreferrer\">\u2464 Welche Art von Werkzeugen ben\u00f6tige ich f\u00fcr die Anforderungsdokumentation?<\/a><\/p>\n<p>Teil 5 untersucht, welche Werkzeuge f\u00fcr die Anforderungsdokumenationen verwendet werden, um in agilen Kontexten eine Bereicherung darzustellen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-1-warum-eine-anforderungsdokumentation-erstellen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ersten Teil haben wir untersucht, warum Anforderungen \u00fcberhaupt dokumentiert werden<\/a>. Im <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsmanagement-2-der-mythos-keine-dokumentation-fuer-agile-anforderungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zweiten Teil dieser Serie haben wir thematisiert, dass es nie darum ging, die Anforderungsdokumentation bei der agilen Entwicklung ganz entfallen zu lassen<\/a>, sondern dass diese weiterhin ein integraler Bestandteil des Entwicklungsansatzes ist. Damit Requirements Engineering jedoch in agilen Umgebungen funktioniert, m\u00fcssen <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/anforderungsdokumentation-3-herausforderungen-bei-dokumentation-agiler-anforderungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bestimmte Herausforderungen bew\u00e4ltigt werden, die wir in Teil 3 beschrieben haben<\/a>. In diesem vierten Teil gehen wir davon aus, dass Anforderungen dokumentiert werden, aber dass noch ein finales Hindernis \u00fcberwunden werden muss: Wie l\u00e4sst sich das Chaos verhindern, dass durch ein Auswuchern der Dokumentation entstehen kann?<\/p>\n<p>Dokumentierte Anforderungen sind notwendig, um die Kommunikation zu f\u00f6rdern, besonders innerhalb des Entwicklungsteams, aber auch mit anderen Stakeholdern. Sie helfen Praktikern, besser zu verstehen, was die Stakeholder brauchen. Au\u00dferdem sind sie n\u00fctzlich, wenn es darum geht, fr\u00fchzeitiges Feedback in kurzen Feedbackzyklen zu bekommen und sich an ver\u00e4nderte Bed\u00fcrfnisse der Stakeholder anzupassen. Bei optimaler verbaler Kommunikation, wo der Austausch intensiv und kontinuierlich ist, kann die Anforderungsdokumentation vielleicht weniger formalisiert stattfinden, aber verteilte Teams, Sprachbarrieren und zeitliche Einschr\u00e4nkungen behindern oft die direkte verbale Kommunikation [6]. Folglich sollte nicht einfach von optimaler Kommunikation ausgegangen werden.<\/p>\n<p>Was den agilen Wert betrifft, bei dem es darum geht, dass funktionierende Software \u00fcber umfassende Dokumentation gestellt wird, so sollte die optimale Menge und der optimale Detaillierungsgrad der dokumentierten Anforderungen f\u00fcr jede einzelne Projektsituation neu \u00fcberdacht werden. Dabei kann dies aus einer Bottom-Up- oder aus einer Top-Down-Perspektive betrachtet werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Bottom-Up-Perspektive wird \u00fcberlegt, was das Minimum an dokumentierten Informationen ist. Die Kommunikation innerhalb des Teams ist ein Schl\u00fcsselaspekt bei der Entscheidung dar\u00fcber, was dokumentiert werden sollte und was nicht. Informationen sollten nur dokumentiert werden, wenn es f\u00fcr sie ein Zielpublikum gibt, in diesem Fall einen konkreten Kunden, f\u00fcr den die Informationen dokumentiert werden [1], und wenn der Einsatz der Dokumentation einen Mehrwert liefert [6]. Die Ber\u00fccksichtigung und regelm\u00e4\u00dfige Einbindung eines Kunden in einem Projekt kann bereits viele Probleme hinsichtlich der Notwendigkeit, Verst\u00e4ndlichkeit und Mehrdeutigkeit von Anforderungen l\u00f6sen. Einige Stakeholder au\u00dferhalb des Projekts k\u00f6nnen jedoch auch ein wichtiges Zielpublikum sein, das die Dokumentation einer bestimmten Anforderung rechtfertigt. So k\u00f6nnen beispielsweise gesetzgebende und normative Gremien verlangen, dass bestimmte Anforderungen f\u00fcr rechtliche Zwecke dokumentiert werden, um Nachverfolgbarkeit zu gew\u00e4hrleisten oder um langfristige Wartbarkeit sicherzustellen.<\/li>\n<li>Aus der Top-Down-Perspektive werden Heuristiken angestrebt, um den Gesamtumfang der Anforderungsdokumentation einzugrenzen. Dabei geht es darum, wie sich \u201ezu viel\u201c Dokumentation vermeiden l\u00e4sst, was wiederum die Frage aufwirft, was als \u201ezu viel\u201c oder als ein \u00dcberma\u00df an Dokumentation betrachtet wird. Auf diese Frage gibt es keine Universalantwort. Laut dem IREB sind die Gr\u00f6\u00dfe des Projekts, die Zahl der beteiligten Stakeholder, das Vorhandensein rechtlicher Rahmenbedingungen und die Sicherheitsrelevanz des Projekts alles Faktoren, die bestimmen, welcher Grad an Dokumentation angemessen ist [1]. Dies kann in der Tat zu einer recht umfangreichen Menge an Backlogs f\u00fchren, in denen die Eingrenzung der Anforderungsdokumentation durch einen PO immer wichtiger wird.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"info-box\">\n<p>Wie sieht es mit Ihrer Anforderungsdokumentation aus? <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/de\/leistungen\/requirements-engineering.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf<\/a>, wenn Sie die Hilfe von Experten bei der Einf\u00fchrung, Verbesserung oder \u00dcberarbeitung Ihres Prozesses zum Anforderungsmanagement ben\u00f6tigen!<\/p>\n<\/div>\n<h4>Referenzen:<\/h4>\n<p>[1] Adam, S., Doerr, J., Eisenbarth, M., Gross, A. (2009). Using Task-oriented Requirements Engineering in different domains: Experiences with applications in research and industry. In: Proceedings of the 17<sup>th<\/sup> IEEE International Requirements Engineering Conference, pp. 267\u2013272.<\/p>\n<p>[6] Baumann, L., Hruschka, P., Lauenroth, K., Meuten, M., Reis, Rogers, G. et al. (2017). IREB Certified Professional for Requirements Engineering \u2013 RE@Agile Primer: Syllabus and Study Guide (Version 1.0.2). Karlsruhe, Germany: International Requirements Engineering Board e.V. Available online: https:\/\/www.ireb.org\/content\/downloads\/28-cpre-re-agile-primer-syllabus\/ireb_cpre_re%40agileprimersyllabusandstudyguide_en_v1.0.2.pdf (last accessed 11 June 2019).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anforderungsdokumentation ist ein wichtiges Werkzeug im Anforderungsmanagement. In Projekten, in denen sich Anforderungen im Verlauf nicht wesentlich \u00e4ndern, kann eine gute Dokumentation relativ leicht erreicht werden. 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Groen ist Senior Requirements Engineer &amp; Projektleiter am Fraunhofer IESE und er koordiniert die Digitale Nachhaltigkeit. Seine Arbeit ist dom\u00e4nen\u00fcbergreifend und fokussiert sich auf das Digital Design komplexer Systeme (z. B. digitale \u00d6kosysteme oder das Internet of Things) und darauf, wie diese die Herausforderungen der Nachhaltigkeit bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Neben beratenden T\u00e4tigkeiten in der Industrie \u00fcbernahm er u. a. leitende Funktionen in der Beratung von Bundesministerien zu digitalen Datenplattformen f\u00fcr die Landwirtschaft (BMEL), in der Weiterentwicklung der Forschung zu dynamischen Systems-of-Systems (\u00bbDynaSoS\u00ab; BMBF) sowie in Projekten im Bereich Usable Security &amp; Privacy (\u00bbTrUSD\u00ab, \u00bbD\u2018accord\u00ab). Am Fraunhofer IESE ist er seit \u00fcber 10 Jahren Themenverantwortlicher f\u00fcr \u00bbCrowd-Based Requirements Engineering\u00ab. Neben seiner Arbeit am Fraunhofer IESE ist er beim International Requirements Engineering Board (IREB) Leiter der Special Interest Group on Sustainability. Er hat ein Master in der Psychologie von der Universit\u00e4t Twente und absolvierte 2025 seine Doktorarbeit an der Universit\u00e4t Utrecht, betreut von Prof. Dr. Sjaak Brinkkemper, Prof. Dr. Fabiano Dalpiaz und Prof. Dr.-Ing. J\u00f6rg D\u00f6rr. Als Wissenschaftler decken seine \u00fcber 25 Publikationen Themen wie Qualit\u00e4tsanforderungen, Nutzerfeedbackklassifikation, Digitale \u00d6kosysteme, gebrauchstauglicher Datenschutz, IoT und Nachhaltigkeit ab. Er ist u.a. 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Groen ist Senior Requirements Engineer &amp; Projektleiter am Fraunhofer IESE und er koordiniert die Digitale Nachhaltigkeit. Seine Arbeit ist dom\u00e4nen\u00fcbergreifend und fokussiert sich auf das Digital Design komplexer Systeme (z. B. digitale \u00d6kosysteme oder das Internet of Things) und darauf, wie diese die Herausforderungen der Nachhaltigkeit bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Neben beratenden T\u00e4tigkeiten in der Industrie \u00fcbernahm er u. a. leitende Funktionen in der Beratung von Bundesministerien zu digitalen Datenplattformen f\u00fcr die Landwirtschaft (BMEL), in der Weiterentwicklung der Forschung zu dynamischen Systems-of-Systems (\u00bbDynaSoS\u00ab; BMBF) sowie in Projekten im Bereich Usable Security &amp; Privacy (\u00bbTrUSD\u00ab, \u00bbD\u2018accord\u00ab). Am Fraunhofer IESE ist er seit \u00fcber 10 Jahren Themenverantwortlicher f\u00fcr \u00bbCrowd-Based Requirements Engineering\u00ab. Neben seiner Arbeit am Fraunhofer IESE ist er beim International Requirements Engineering Board (IREB) Leiter der Special Interest Group on Sustainability. Er hat ein Master in der Psychologie von der Universit\u00e4t Twente und absolvierte 2025 seine Doktorarbeit an der Universit\u00e4t Utrecht, betreut von Prof. Dr. Sjaak Brinkkemper, Prof. Dr. Fabiano Dalpiaz und Prof. Dr.-Ing. J\u00f6rg D\u00f6rr. Als Wissenschaftler decken seine \u00fcber 25 Publikationen Themen wie Qualit\u00e4tsanforderungen, Nutzerfeedbackklassifikation, Digitale \u00d6kosysteme, gebrauchstauglicher Datenschutz, IoT und Nachhaltigkeit ab. Er ist u.a. 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