{"id":2731,"date":"2018-08-15T12:48:49","date_gmt":"2018-08-15T10:48:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.iese.fraunhofer.de\/?p=2731"},"modified":"2024-02-19T12:34:39","modified_gmt":"2024-02-19T11:34:39","slug":"interview-agro-4-0-die-zukunft-der-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/interview-agro-4-0-die-zukunft-der-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Interview: Agro 4.0 \u2013 die Zukunft der Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Die Uhr tickt. Mit jeder Sekunde w\u00e4chst die Weltbev\u00f6lkerung, doch gleichzeitig nimmt die landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che ab. Das bedeutet: Wir m\u00fcssen in der Lage sein, immer mehr Menschen zu ern\u00e4hren, w\u00e4hrend jedoch Ressourcen wie Wasser und Nahrung immer knapper werden. Diese Problematik wird sich in Zukunft noch versch\u00e4rfen, wie der Wirtschaftsverband CEMA betont: \u201cWe will need to produce more food in the next 50 years than we did in the past 10.000 years.\u201d Die L\u00f6sung f\u00fcr diese Herausforderung k\u00f6nnte Agrikultur 4.0 hei\u00dfen. Was dies genau bedeutet, erl\u00e4uterte Dr. Pablo Oliveira Antonino bei einem Vortrag in S\u00e3o Paulo, Brasilien, im Rahmen der Veranstaltung \u201eAgro 4.0 \u2013 Digitization in the Field\u201c der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer am 13.08.2018. Dr. Pablo Oliveira Antonino im Interview:<\/p>\n<h3>Was genau versteht man denn unter Agrikultur 4.0?<\/h3>\n<p>Dazu muss man einen Blick auf die Entwicklung der Landwirtschaft werfen, die sich in vier Phasen gliedert: Die erste Phase, also Agrikultur 1.0, begann im 19. Jahrhundert. Dabei wurden die Ger\u00e4te noch manuell bedient und bspw. durch Pferde gezogen. Die Agrikultur 2.0 setzte Ende der 1950er Jahre\/Anfang der 1960er Jahre ein und zielte auf eine verbesserte Performanz des Feldes hin. Charakteristisch f\u00fcr die Agrikultur 2.0 ist dabei der erstmalige Gebrauch von Pestiziden. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Landwirtschaft in Richtung eines Agrobusiness entwickelt. Mit dem Einsatz von GPS- und Navigationssystemen setzte in den 1990er Jahren schlie\u00dflich die Agrikultur 3.0 ein. Offiziell befinden wir uns noch am Ende dieser Periode, wobei die Planungsphase der Agrikultur 4.0 bereits eingesetzt hat. Dabei soll die Kombination von Software und Elektronik landwirtschaftliche Aufgaben vereinfachen. Unter dem Motto \u201ePrecision Farming\u201c geht es darum, mit weniger Ressourcen mehr zu produzieren. Dabei sind Themen wie Big Data, Autonomes Fahren und KI-Systeme von besonderer Bedeutung, denn sie zeigen der Landwirtschaft ganz neue M\u00f6glichkeiten auf.<\/p>\n<h3>Wie kann man sich diese Zukunft in der Praxis vorstellen?<\/h3>\n<p>Einer der gro\u00dfen Vorteile von Agrikultur 4.0 ist der Einsatz von Softwaresystemen. Diese erm\u00f6glichen es, Schwachstellen eines landwirtschaftlich bewirtschafteten Felds zu erkennen. Gerade f\u00fcr L\u00e4nder wie Brasilien, wo Farmen sich oft \u00fcber viele Quadratkilometer erstrecken, ist dies von enormer Bedeutung. Denn der Einsatz von Kameras, Drohnen und KI-Systemen erm\u00f6glicht eine spezifische Diagnose schlechter bewirtschafteter Stellen im Feld. Nach der \u00dcbermittlung dieser Daten an das System k\u00f6nnen die Landwirtschaftsger\u00e4te nun fokussiert an einzelnen Stellen eingesetzt werden. So werden keine Ressourcen verschwendet, da eine ganz pr\u00e4zise Anpassung an die Anforderungen des Felds erfolgen kann. Agrikultur 4.0 bedeutet demnach nicht nur eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Performanz des Feldes, sondern erm\u00f6glicht zudem auch enorme Material- und Kosteneinsparungen.<\/p>\n<h3>Inwiefern spielt dabei das Fraunhofer IESE eine wichtige Rolle?<\/h3>\n<p>Das Fraunhofer IESE setzt an der Schnittstelle von Elektronik und Software ein. Unser Ziel ist es, den Status Quo der Architektur einer Maschine zu verstehen, um daraus Anforderungen f\u00fcr autonome Systeme abzuleiten und bei deren Entwicklung zu unterst\u00fctzen. Dabei st\u00fctzen wir uns sowohl auf interne Forschungen als auch auf die langj\u00e4hrige Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner John Deere. Im Rahmen verschiedener Projekte arbeiten wir daran, Precision Agriculture zu erm\u00f6glichen. Dabei ist Software und deren Integration in Elektronik ein wichtiger Bestandteil, um die Anforderungen eines Feldes erkennen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Woraus bestand Ihr Beitrag zur Veranstaltung?<\/h3>\n<p>Ich wollte das Thema Agrikultur 4.0 in unterschiedlicher Hinsicht betrachten. Dazu gliederte sich mein Vortrag in zwei Teile: Im ersten ging ich auf die Trends und Technologien von Agrikultur 4.0 ein. Ein Highlight war es, die Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer IESE und John Deere genauer zu beleuchten. Eine zentrale Fragestellung dabei lautete: Wie k\u00f6nnen wir unsere Erkenntnisse aus dem Automobilsektor mit den zuk\u00fcnftigen Anforderungen an die Landwirtschaft vereinen? Neben diesen technischen Herausforderungen ging es um konkrete Praxisf\u00e4lle und Erfahrungen mit unserem Kooperationspartner John Deere. Im zweiten Teil meines Vortrags ging ich dann auf Anforderungen f\u00fcr Aufgaben im Feld und f\u00fcr das Monitoring ein.<\/p>\n<h3>Was waren Ihre Erwartungen an die Veranstaltung?<\/h3>\n<p>In erster Linie erhoffte ich mir, meine Kenntnisse \u00fcber die Branche erweitern zu k\u00f6nnen. Was genau bedeutet der brasilianische Markt f\u00fcr Autonomous Systems? Daneben verfolgte ich nat\u00fcrlich auch die Akquise von potenziellen Kunden. Gleichzeitig ist Agrikultur 4.0 ein Thema, das auch viele andere Bereiche betrifft. An der Veranstaltung teilzunehmen, hatte in diesem Sinne nicht nur Vorteile f\u00fcr die Weiterentwicklung von Agrikultur 4.0, sondern auch f\u00fcr damit verbundene Forschungsfelder wie Industrie 4.0, Big Data oder KI.<\/p>\n<h3>Ein letztes Abschlusswort?<\/h3>\n<p>Agrikultur 4.0 und Smart Farming sind sehr gro\u00dfe Trends mit Herausforderungen, die nicht innerhalb der n\u00e4chsten zehn Jahre gel\u00f6st werden k\u00f6nnen\u2026 aber wir d\u00fcrfen nicht aufh\u00f6ren, daran zu arbeiten!<\/p>\n<p>Lesen Sie weitere Artikel aus dem Bereich<a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/category\/smart-farming\/\"> Smart Farming und dem Fraunhofer Leitprojekt \u00bbCOGNAC\u00ab<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Uhr tickt. Mit jeder Sekunde w\u00e4chst die Weltbev\u00f6lkerung, doch gleichzeitig nimmt die landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che ab. 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