{"id":16877,"date":"2026-09-17T09:24:10","date_gmt":"2026-09-17T07:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/?p=16877"},"modified":"2026-09-29T15:43:59","modified_gmt":"2026-09-29T13:43:59","slug":"fahrerzustandserkennung-wenn-das-fahrzeug-den-menschen-verstehen-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/fahrerzustandserkennung-wenn-das-fahrzeug-den-menschen-verstehen-muss\/","title":{"rendered":"Fahrerzustandserkennung: Wenn das Fahrzeug den Menschen verstehen muss"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--medium)\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14.642px, 0.915rem + ((1vw - 3.2px) * 0.783), 22px);font-style:normal;font-weight:500\">F\u00fcr das <strong>teilautomatisierte Fahren<\/strong> sind zuverl\u00e4ssige Systeme zur Erkennung des Fahrerzustands eine zentrale Voraussetzung. Denn<br><strong>Assistenz- und Automatisierungsfunktionen<\/strong> k\u00f6nnen ihre Wirkung nur dann sicher entfalten, wenn sie wissen, womit der Mensch am Steuer<br>gerade besch\u00e4ftigt ist \u2013 und ob seine Aufmerksamkeit noch ausreicht, um die Fahraufgabe zu \u00fcbernehmen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-secondary-1-color has-alpha-channel-opacity has-secondary-1-background-color has-background is-style-wide\"\/>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Moderne Fahrzeuge nutzen eine Kombination aus Innenraumkameras und weiteren Sensoren: Kopfhaltung, Blickrichtung, Augen\u00f6ffnung und Lidschlagsrate liefern Hinweise auf Aufmerksamkeit oder Erm\u00fcdung. Erg\u00e4nzend erfassen Lenkrad- und Sitzsensoren, ob der Fahrer aktiv lenkt oder seine K\u00f6rperhaltung ver\u00e4ndert. Ein schlafender Fahrer l\u00e4sst sich so klar identifizieren \u2013 doch bereits davor k\u00fcndigt sich ein Aufmerksamkeitsverlust durch subtilere Ver\u00e4nderungen an, etwa langsameren Lidschlag oder einen lockereren Griff am Lenkrad. In solchen Situationen k\u00f6nnen Assistenzsysteme gezielt eingreifen, etwa durch akustische Warnungen, haptische Signale oder Hinweise im Cockpit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum K\u00fcnstliche Intelligenz unverzichtbar ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielzahl dieser Messdaten macht deutlich, warum K\u00fcnstliche Intelligenz eine zentrale Rolle bei der Fahrerzustandserkennung spielt. Einzelne Messwerte sind kaum aussagekr\u00e4ftig, da Fahrverhalten und Aufmerksamkeit stark individuell gepr\u00e4gt sind. KI-basierte Systeme lernen daher zun\u00e4chst einen Normalzustand des jeweiligen Fahrers und erkennen anschlie\u00dfend Abweichungen davon. Dazu kombinieren sie Informationen etwa zum Blickverhalten, zur K\u00f6rperhaltung und zu Reaktionszeiten auf Systemaufforderungen. Gerade in solchen komplexen, hochdimensionalen Datens\u00e4tzen liegt eine besondere St\u00e4rke von KI: Muster zu erkennen, die mit klassischen, regelbasierten Verfahren kaum erfassbar w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sicherheit und Unsicherheit in KI-basierten Systemen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Einsatz von KI stellen sich neue Fragen an Sicherheit und Zuverl\u00e4ssigkeit. W\u00e4hrend im klassischen Sicherheitsengineering alle relevanten Reaktionspfade systematisch getestet werden k\u00f6nnen, ist dies bei lernenden Systemen prinzipiell nicht m\u00f6glich \u2013 ihre m\u00f6glichen Zust\u00e4nde und Reaktionen sind praktisch unendlich. Eine gewisse Unsicherheit bleibt daher selbst bei gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt bestehen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die IESE-Forschungsprojekte wie <a href=\"https:\/\/safe-ai-engineering.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Safe AI Engineering<\/a> und <a href=\"https:\/\/control-projekt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CONTROL<\/a> setzen genau hier an:<br>Ziel ist es, diese Unsicherheiten messbar zu machen und Systeme so zu gestalten, dass sie angemessen darauf reagieren \u2013 etwa durch vorsichtigeres Fahrverhalten, reduzierte Geschwindigkeit oder kontrolliertes Ausweichen. Methoden zur Quantifizierung von Unsicherheiten im Maschinellen Lernen sind bereits national \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/din-spec-92005-unsicherheit-im-maschinellen-lernen-standardisieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DIN SPEC 92005<\/a> standardisiert und werden aktuell im<a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/de\/referenz\/uncert-ainty.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> WIPANO-Projekt UncertAInty<\/a> mit Blick auf generative KI weiterentwickelt und in internationale Normungsprozesse eingebracht. Erg\u00e4nzend r\u00fcckt auch die Cybersecurity in den Fokus, denn jede Sicherheitsl\u00fccke kann bei autonomen Systemen unmittelbar zu einem Safety-Risiko werden. (Mehr dazu im Artikel: <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/ohne-cybersecurity-keine-safety-fuer-autonome-systeme\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ohne Cybersecurity keine Safety: Warum autonome Systeme ein neues Sicherheitsdenken brauchen<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Adaptive Mensch-Maschine-Interaktion<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Potenzial KI-basierter Fahrerzustandserkennung liegt in einer adaptiveren Mensch-Maschine-Interaktion. Warnungen und Eingriffe sollten nicht pauschal erfolgen, sondern den Fahrerzustand mit dem situativen Kontext abw\u00e4gen. Erkennt ein System beispielsweise eine Gefahrensituation, w\u00e4hrend der Fahrer in eine andere Richtung blickt, kann eine Warnung sinnvoll sein \u2013 selbst wenn der Fahrer grunds\u00e4tzlich aufmerksam erscheint. Umgekehrt lassen sich unn\u00f6tige Warnungen vermeiden, wenn der Fahrer die relevante Situation bereits erfasst hat. Besonders wichtig ist diese intelligente Priorisierung bei Nutzfahrzeugen und Arbeitsmaschinen, bei denen das Fahren oft nur eine von mehreren automatisierten Aufgaben ist. Die permanente manuelle \u00dcberwachung aller Funktionen w\u00fcrde hier schnell die menschlichen F\u00e4higkeiten \u00fcberfordern.<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6adb4b991f407&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6adb4b991f407\" class=\"wp-block-image size-large wp-lightbox-container\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"879\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--pointerdown=\"actions.preloadImage\" data-wp-on--pointerenter=\"actions.preloadImageWithDelay\" data-wp-on--pointerleave=\"actions.cancelPreload\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-scaled.jpg\" alt=\"F\u00fcnf Stufen der Autonomie: vom Assistenzsystem zur vollst\u00e4ndigen Selbststeuerung\" class=\"wp-image-16909\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-400x137.jpg 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-698x240.jpg 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-768x264.jpg 768w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-1536x527.jpg 1536w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FhG_IESE_MDMagazin_202601_Digital_JKH_DS-edited-2048x703.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\tdata-wp-bind--aria-label=\"state.thisImage.triggerButtonAriaLabel\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.thisImage.buttonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.thisImage.buttonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\"><sup>F\u00fcnf Stufen der Autonomie: vom Assistenzsystem zur vollst\u00e4ndigen Selbststeuerung. Grafik: Fraunhofer IESE<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn Zuverl\u00e4ssigkeit zum Risiko wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eng damit verkn\u00fcpft ist das Out-of-the-Loop-Ph\u00e4nomen: Je zuverl\u00e4ssiger ein System arbeitet, desto st\u00e4rker sinkt die Aufmerksamkeit des Menschen bei der \u00dcberwachung. Paradoxerweise kann dies das Unfallrisiko erh\u00f6hen. Klassische Gegenma\u00dfnahmen \u2013 etwa die permanente Aufforderung, das Lenkrad zu halten \u2013 schm\u00e4lern jedoch den Nutzen der Automatisierung. Ziel aktueller Forschung ist es daher, situationsabh\u00e4ngig zu bestimmen, ob und welche Art von \u00dcberwachung notwendig ist, und den Fahrer rechtzeitig einzubinden. W\u00e4hrend bei Level-3-Systemen daf\u00fcr typischerweise wenige Sekunden zur Verf\u00fcgung stehen, k\u00f6nnen Level-4-Fahrzeuge selbstst\u00e4ndig einen sicheren Zustand erreichen, ohne dass der Mensch eingreifen muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum Level 5 auf absehbare Zeit unrealistisch bleibt <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund wird auch deutlich, warum eine vollst\u00e4ndige Level-5-Automatisierung weiterhin als gro\u00dfe Herausforderung gilt. W\u00e4hrend Level 4 an klar definierte Einsatzbedingungen wie bestimmte Strecken oder Wetterlagen gebunden ist, soll Level 5 unter allen Bedingungen funktionieren. Selbst bei gro\u00dfen technologischen Fortschritten wird der sichere Einsatz autonomer Systeme jedoch immer von Randbedingungen abh\u00e4ngen \u2013 etwa von der physikalischen Grenze der Fahrbarkeit bei Glatteis. Wahrscheinlicher ist daher, dass diese Bedingungen schrittweise weniger einschr\u00e4nkend werden. Entscheidend ist dabei auch das Gesch\u00e4ftsmodell: Ein privat genutztes Fahrzeug unterliegt anderen Anforderungen als ein betriebenes System. Diese Unterschiede werden in den Automatisierungsstufen bislang kaum ber\u00fccksichtigt, spielen f\u00fcr die praktische Umsetzung jedoch eine zentrale Rolle.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-group has-gradient-1-gradient-background has-background is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\" style=\"border-style:none;border-width:0px;border-radius:2px;margin-top:0;padding-top:4px;padding-right:4px;padding-bottom:4px;padding-left:4px\">\n<div class=\"wp-block-group has-base-background-color has-background has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-38a0f662 wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"padding-top:var(--wp--preset--spacing--small);padding-right:var(--wp--preset--spacing--small);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--small);padding-left:var(--wp--preset--spacing--small)\">\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center is-style-no-gradient has-x-large-font-size is-style-no-gradient--1\">Wo steht Ihr Unternehmen beim integrierten Safety und Security Engineering?      <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.5\"><br>      Ob Engp\u00e4sse bei Fachpersonal, neue KI-Funktionen oder steigender Normendruck \u2013 wir unterst\u00fctzen Sie von der ersten Analyse bis zur modellbasierten Umsetzung mit unserem Tool <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/system-safety-with-safetbox-the-stpa-modeling-tool\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>SafeTbox<\/strong><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.5\">Ob im Automotive- und Nutzfahrzeugbereich oder in anderen sicherheitskritischen Dom\u00e4nen \u2013 wir begleiten Sie bei der Umsetzung. Weitere Informationen zu unseren Aktivit\u00e4ten im Bereich&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/de\/trend\/automotive-nutzfahrzeuge.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Automotive &amp; Nutzfahrzeuge<\/strong><\/a>.     <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr das teilautomatisierte Fahren sind zuverl\u00e4ssige Systeme zur Erkennung des Fahrerzustands eine zentrale Voraussetzung. DennAssistenz- und Automatisierungsfunktionen k\u00f6nnen ihre Wirkung nur dann sicher entfalten, wenn sie wissen, womit der Mensch am Steuergerade besch\u00e4ftigt ist \u2013 und ob seine Aufmerksamkeit noch ausreicht, um die Fahraufgabe zu \u00fcbernehmen. 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