{"id":16719,"date":"2026-09-21T09:08:26","date_gmt":"2026-09-21T07:08:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/?p=16719"},"modified":"2026-09-21T09:08:28","modified_gmt":"2026-09-21T07:08:28","slug":"interview-john-deer-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/interview-john-deer-ki\/","title":{"rendered":"3 Fragen an \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:800\">&#8230; Michael H\u00f6h, Solution Architect Guidance &amp; Automation, European \u00adTechnology Innovation Center Kaiserslautern, John Deere GmbH &amp; Co. KG<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--medium)\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:clamp(14.642px, 0.915rem + ((1vw - 3.2px) * 0.783), 22px);font-style:normal;font-weight:500\">Wie viel Effizienzgewinn bringt KI wirklich in die Softwareentwicklung \u2013 und wo bleibt menschliche Expertise unverzichtbar? Dieser Frage ging John Deere gemeinsam mit Studierenden der RPTU Kaiserslautern und dem Fraunhofer IESE im Capstone-Projekt nach. Unter dem Motto \u00bbAlles ist erlaubt\u00ab und \u00bbso viel KI wie m\u00f6glich\u00ab entstand nicht nur eine leichtgewichtige Simulation f\u00fcr automatisiert fahrende Traktoren, sondern auch ein klarer Blick auf Chancen und Grenzen KI\u2011gest\u00fctzter Entwicklung. Welche Erkenntnisse besonders \u00fcberraschten, erz\u00e4hlt Michael H\u00f6h im Interview.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-secondary-1-color has-alpha-channel-opacity has-secondary-1-background-color has-background is-style-wide\"\/>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche strategische Rolle spielt K\u00fcnstliche Intelligenz heute in der Entwicklungsarbeit von John Deere? Wo stehen Sie aktuell \u2013 und welche weiteren Ziele \u00adstreben Sie mit dem Einsatz von KI an?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcrde die Frage lieber aus meiner Sicht hier am Standort Kaiserslautern beantworten, da bei diesem Thema aktuell enorm viel passiert und wir alle st\u00e4ndig neue M\u00f6glichkeiten kennenlernen. Und diese M\u00f6glichkeiten wollen wir nat\u00fcrlich ausnutzen, dabei aber auch Rahmenbedingungen einhalten. Gerade in der Softwareentwicklung stehen uns die wichtigen Modelle zur Verf\u00fcgung und wir m\u00fcssen nicht unbedingt \u00bbToken\u00ab z\u00e4hlen. Jede KI-Anfrage resultiert in einer bestimmten Anzahl von Token und diese erzeugen auch Kosten. D.h. der Einsatz der KI ist nicht umsonst. Aus meiner aktuellen Sicht lohnt er sich aber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcrde sagen, wir sind zurzeit in einer Entdeckungs- und Ausprobierphase: von gro\u00dfer Begeisterung, aber auch manchmal genervter Entt\u00e4uschung. Ich glaube, wenn wir das Werkzeug KI soweit verstanden haben, k\u00f6nnen wir den Entwicklungsprozess verschlanken und schneller Innovationen f\u00fcr unsere Kunden anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich vergleiche die Softwareentwicklung gerne mit der Leber beim Menschen: Sie macht alles mit und w\u00e4chst dabei \u2013 bis ein bestimmter Punkt erreicht ist. Und wenn man dann reagieren muss, ist es schwierig. Vielleicht beginnt man sogar ein neues Projekt. In der Regel kann man nicht auf bestimmte Teile verzichten und muss diese herausschneiden und einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist oft viel manuelle Arbeit und Anpassungen im Code und den Unit Tests. Hier kann die KI sehr gut unterst\u00fctzen. Wir testen das mit zum Teil gro\u00dfen Code-Bereichen und schauen uns die Ergebnisse an. Diese sind vielversprechend, insbesondere mit Blick auf die Umsetzungszeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Betrachtet man den gesamten Entwicklungszyklus: In welchen Phasen generiert KI aus Ihrer Sicht den gr\u00f6\u00dften Mehrwert? Wo zeigen sich bereits messbare Effizienz- oder Qualit\u00e4tsgewinne?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als jemand, der die Softwareentwicklung seit vielen Jahren begleitet, sehe ich nat\u00fcrlich vor allem diesen Bereich. Und es ist beeindruckend, einem KI-Agenten dabei zuzuschauen, wie schnell und systematisch Code durchsucht, analysiert oder erstellt wird. Die damit erzielten Gewinne sind nicht nur messbar, sondern auch regelm\u00e4\u00dfig an der Kaffeemaschine beim Gespr\u00e4ch mit Kollegen h\u00f6rbar. Ein aus meiner Sicht nicht zu untersch\u00e4tzender Mehrwert ist die \u00d6ffnung der Softwareentwicklung f\u00fcr Leute ohne oder mit wenig Programmiererfahrung (Vibe-Coding). Zum Beispiel der Systemingenieur, der eine Idee hat und diese direkt prototypisch umsetzen kann, um schnelles Feedback zu bekommen. Zeitlich unschlagbar zum klassischen Beschreiben der Idee, der Beauftragung, den Iterationen usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, auch mit der KI als Copilot erlebt das Pair-Programming eine Renaissance. Ich habe mir immer schwergetan, das au\u00dferhalb spezieller Gr\u00fcnde wie Fehlerfindung oder bestimmter Designentscheidungen zu leben. Mit der KI ist das anders und ich finde es zum einen sehr angenehm, aber auch enorm hilfreich und wahrscheinlich effizienter als ein menschlicher Kollege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Beispiel ist ein Klassiker: Code-Dokumentation! Separate Dokumente laufen immer Gefahr, nicht den letzten Code-\u00c4nderungen zu entsprechen. Damit wird ihr Wert relativiert und man m\u00fcht sich dann letztendlich doch durch den Code. Und beim Code kann man \u00fcber Kommentare diskutieren: Braucht man Kommentare oder ist der Code selbsterkl\u00e4rend? Und wenn Kommentare oder Dateibeschreibungen, sind diese aktuell und entsprechend mitgepflegt? Ich glaube, durch die KI wird der Klassiker fr\u00fcher oder sp\u00e4ter verschwinden, da jegliche Dokumentation \u00bbon demand\u00ab erzeugt werden kann und diese immer dem aktuellen Code-Stand entspricht. Das stellt einiges auf den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im Rahmen unseres gemeinsamen Capstone-\u00adProjekts haben Studierende KI intensiv \u00adeingesetzt. Welche ihrer Ergebnisse haben Sie \u00adbesonders beeindruckt oder sogar \u00fcberrascht \u2013 und welche Erkenntnisse flie\u00dfen in Ihre Entwicklungsarbeit ein?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich hat besonders der verbale Austausch mit einem KI-Agenten beeindruckt, um Anforderungen zu ermitteln. Zum einen, weil das Gespr\u00e4ch sehr nat\u00fcrlich war, aber auch wissend, wie schwierig es ist, gute Anforderungen zu ermitteln. Ich glaube, generell hat die KI auch geholfen, die Kreativit\u00e4t der Studierenden schnell im Kontext umzusetzen. Die meisten hatten wenig oder keinen landwirtschaftlichen Hintergrund. Diese _L\u00fccke war kaum sp\u00fcrbar bzw. wurde _sehr schnell geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberrascht war ich \u00fcber die Menge und Bandbreite an bearbeiteten Themen in sehr kurzer Zeit. Die Studierenden haben auch sehr gut den Spagat hinbekommen, die KI-M\u00f6glichkeiten zu entdecken, zu erforschen und praktisch am Projekt \u00bbSimulator von landwirtschaftlichen Maschinen mit KI\u00ab auszuprobieren. Bei jedem Iterations-Meeting konnte etwas gezeigt werden, was mir als \u00bbKunde\u00ab auch sehr geholfen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, durch das Capstone-Projekt flie\u00dfen viele Erkenntnisse in die Entwicklungsarbeit ein, auch au\u00dferhalb der eigentlichen Softwareentwicklung. Wir arbeiten bei John Deere an kamerabasierten Automatisierungen, zum Beispiel beim automatisierten Bef\u00fcllen eines Anh\u00e4ngers mit Erntegut. Hier m\u00fcssen wir uns neben der Softwareentwicklung, die mit der schnellen Technologie-Entwicklung Schritt halten muss, mit unterschiedlichen Disziplinen wie Bildverarbeitung, Steuer- und Regelungstechnik sowie Datenmanagement besch\u00e4ftigen. Und das Gesamtsystemfunktioniert nat\u00fcrlich besonders gut, wenn alles passt und aufeinander abgestimmt ist. Hier hilft die KI nicht nur den erfahrenen Mitarbeitern, sondern insbesondere neuen Mitarbeitern. \u00c4hnlich wie den Studierenden im Capstone-Projekt, f\u00fcr die erst einmal vieles oder sogar alles neu war. Wir haben in Capstone zum Teil bewusst keine internen Informationen oder Experten bereitgestellt, um zu verstehen, was m\u00f6glich ist. So haben die Studierenden die Anbindung an unser John Deere Operations Center komplett eigenst\u00e4ndig mit der KI und verf\u00fcgbaren Onlinedokumentationen realisiert. Oft wird eine Schnittstellen-API nur erkl\u00e4rt, aber mit der KI bekommt man sofort etwas, das man ausprobieren und starten kann. Das hat in sehr kurzer Zeit sehr gut geklappt und ist sicherlich eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung f\u00fcr neue Mitarbeitende oder welche, die die Dom\u00e4ne wechseln. Ein Ergebnis, dass sich KI weniger gut f\u00fcr die Erstellung von etwa Architekturdiagrammen eignet, ist mittlerweile wohl schon wieder \u00fcberholt. Aber das passt zur hohen Dynamik im Bereich K\u00fcnstliche Intelligenz, mit der man Schritt halten muss&#8230; und vielleicht ein n\u00e4chstes Capstone-Projekt triggert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-2f5b0d04 wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-group has-border-color has-neutral-1-border-color has-base-background-color has-background has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-8a34b12a wp-block-group-is-layout-constrained\" style=\"border-width:1px;margin-top:0;padding-top:var(--wp--preset--spacing--small);padding-right:var(--wp--preset--spacing--small);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--small);padding-left:var(--wp--preset--spacing--small)\">\n<p class=\"has-secondary-1-color has-text-color has-link-color has-material-symbols-outlined-font-family has-max-36-font-size wp-elements-1 wp-block-paragraph\">arrow_outward<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.5\"><br><strong>Weiterlesen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.5\">In einem weiteren Blogbeitrag \u00bb<strong><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/ki-in-der-softwareentwicklung-neue-erkenntnisse-aus-forschung-und-praxis\/\">KI in der Softwareentwicklung: Zwischen Produktivit\u00e4tsgewinn und Vertrauensl\u00fccke<\/a><\/strong>\u00ab analysieren wir, wie Unternehmen, Teams und Plattformen heute mit Chancen und Risiken umgehen: von Produktivit\u00e4t \u00fcber Vertrauen bis hin zu neuen Rollen im KI-gest\u00fctzten Entwicklungsprozess.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mehr zum Thema LLM und Gen AI<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/agentic-workflows-skillsets-software-engineering\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Wie Agentic Workflows und Skillsets das Software Engineering ver\u00e4ndern<\/strong><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/open-source-large-language-models-selbst-betreiben\/\"><strong>Open Source Large Language Models und deren Betrieb<\/strong><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/retrieval-augmented-generation-rag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Retrieval Agumented Generation (RAG):<\/strong><\/a>&nbsp;Chatten mit den eigenen Daten<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/was-ist-prompt-engineering\/\"><strong>Prompt Engineering:<\/strong><\/a>&nbsp;Wie kommuniziert man am besten mit gro\u00dfen Sprachmodellen?<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; Michael H\u00f6h, Solution Architect Guidance &amp; Automation, European \u00adTechnology Innovation Center Kaiserslautern, John Deere GmbH &amp; Co. 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