{"id":12678,"date":"2024-07-29T09:17:20","date_gmt":"2024-07-29T07:17:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/?p=12678"},"modified":"2025-09-30T10:59:43","modified_gmt":"2025-09-30T08:59:43","slug":"nachhaltigkeit-im-gesundheitswesen-digitale-transformation-als-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/nachhaltigkeit-im-gesundheitswesen-digitale-transformation-als-chance\/","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen: Digitale Transformation als Chance"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Nachhaltigkeit ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit \u2013 auch im Gesundheitswesen. Doch wie nachhaltig ist das deutsche Gesundheitswesen, und welche Rolle spielen digitale Technologien in diesem Kontext?<\/p>\n<div class=\"info-box\">\n<p>Nachhaltigkeit l\u00e4sst sich in drei Hauptkategorien einteilen: \u00f6konomische, soziale und \u00f6kologische Nachhaltigkeit. \u00d6konomische Nachhaltigkeit bezeichnet wirtschaftlich weitsichtiges und langfristig angelegtes Handeln. Hierbei ist eine stabile Handlungsgrundlage f\u00fcr die Zukunft von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung als schneller Gewinn. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet, gesellschaftliche Strukturen und Prozesse so zu gestalten, dass sie langfristig soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und das Wohlbefinden aller Menschen f\u00f6rdern. Unter \u00f6kologischer Nachhaltigkeit versteht man den langfristigen Erhalt der nat\u00fcrlichen Ressourcen und \u00d6kosysteme unserer Erde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>In diesem Artikel wollen wir den Fokus auf \u00f6kologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen legen, wobei eine enge Verkn\u00fcpfung aller drei Aspekte f\u00fcr die Schaffung effizienter L\u00f6sungsans\u00e4tze notwendig ist. Dies sollte bereits bei der Konzeption von Strategien ber\u00fccksichtigt werden. Durch den fortschreitenden Klimawandel und die damit einhergehende Notwendigkeit f\u00fcr neue Wege im Umgang mit unserer Umwelt ist die \u00f6kologische Nachhaltigkeit in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus ger\u00fcckt. Viele Sektoren haben ihre Abl\u00e4ufe zugunsten eines geringeren CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00dfes umgestellt, um ihren \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck zu verkleinern.<\/p>\n<h2>Emissionen des deutschen Gesundheitswesens im internationalen Vergleich<\/h2>\n<p>In Deutschland werden <a href=\"https:\/\/www.springerpflege.de\/nachhaltigkeit\/gesundheitssektor-als-teil-der-klimakrise\/25907662\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr als 5%<\/a> der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen allein durch den Gesundheitssektor verursacht. Au\u00dferdem verursachen Patient*innen im Rahmen ihrer Behandlung die 4,6-fache Menge an Abfall im Vergleich zu durchschnittlichen B\u00fcrger*innen, wobei der Ressourcenverbrauch insgesamt in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist. So wurden 2016 im Gesundheitssektor 107 Millionen Tonnen Rohstoffe verbraucht (also 1,3 Tonnen je Einwohner*in), was etwa 5% des gesamten deutschen Rohstoffkonsums ausmachte, w\u00e4hrend der Verbrauch im Jahr 1995 noch bei 80 % weniger lag [1]. Im Vergleich dazu hat sich der globale Rohstoffverbrauch laut Ressourcenrat der Vereinten Nationen (IRP) <a href=\"https:\/\/www.abfallmanager-medizin.de\/zahl-des-monats\/rohstoffkonsum-gesundheitswesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">seit den 1970ern verdreifacht<\/a>. Interessant ist unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit auch die Tatsache, dass die Gesundheitsbranche aktuell f\u00fcr 4,4 % der weltweiten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verantwortlich ist [2], w\u00e4hrend laut <a href=\"https:\/\/www.who.int\/news\/item\/13-12-2017-world-bank-and-who-half-the-world-lacks-access-to-essential-health-services-100-million-still-pushed-into-extreme-poverty-because-of-health-expenses\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WHO<\/a> etwa die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung gar keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung hat. Drastischer formuliert wird dies im Report \u00bb<a href=\"https:\/\/global.noharm.org\/sites\/default\/files\/documents-files\/5961\/HealthCaresClimateFootprint_092319.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Health Care\u2019s Climate Footprint<\/a>\u00ab von 2019, in dem Daten von 43 L\u00e4ndern ausgewertet wurden: W\u00e4re der globale Gesundheitssektor ein Land, w\u00e4re er weltweit der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Emittent an Treibhausgasen.<\/p>\n<div class=\"info-box\">\n<p>Der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck umschreibt die Umweltbelastung der Erde. Er beinhaltet den Ressourcenverbrauch und Aspekte wie z. B.<span class=\"Apple-converted-space\"> die<\/span> f\u00fcr Produktion, Transportinfrastruktur und Dienstleistungen ben\u00f6tigten Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Der <span class=\"s1\">CO\u2082-Fu\u00dfabdruck bezieht sich insbesondere auf die Treibhausgasemissionen, welche z. B. durch Betrieb, Transport und Produktion anfallen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<h4>Internationaler Vergleich der Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen<\/h4>\n<p>Die folgende Abbildung zeigt den CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck der L\u00e4nder (oder Regionen) mit dem gr\u00f6\u00dften Fu\u00dfabdruck und den jeweiligen Anteil, den der Gesundheitssektor daran hat. Hierbei ist zu beachten, dass die Daten zur besseren Darstellbarkeit logarithmisch aufgetragen wurden. Auf diese Art lassen sich die Unterschiede im Bereich um 100 MtCO<sub>2<\/sub>e gut vergleichen, obwohl die Skala bis 10.000 reicht. Die zugrundeliegenden Daten wurden der Studie \u00bbHealth Care\u2018s Climate Footprint\u00ab von 2019 entnommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12684\" aria-describedby=\"caption-attachment-12684\" style=\"width: 815px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12684 size-full\" src=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/figure_frutiger.png\" alt=\"Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen: Auflistung der L\u00e4nder nach Emissionen im Gesundheitssektor und pro Einwohner\" width=\"815\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/figure_frutiger.png 815w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/figure_frutiger-400x247.png 400w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/figure_frutiger-698x431.png 698w, https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/figure_frutiger-768x474.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 815px) 100vw, 815px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12684\" class=\"wp-caption-text\">L\u00e4nder mit dem gr\u00f6\u00dften CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck und Anteil des Gesundheitssektors<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die EU ist in den Abbildungen zum Vergleich mit eingebunden, wird jedoch im Ranking nicht mitgez\u00e4hlt. Tendenziell haben L\u00e4nder mit hohen Gesamtemissionen auch h\u00f6here Emissionen durch den Gesundheitssektor. Es ist erkennbar, dass das deutsche Gesundheitssystem weltweit die f\u00fcnft meisten Emissionen verursacht und somit europaweit die meisten. Allerdings sind die Pro-Kopf-Emissionen geringer als die der Schweiz sowie die von Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und D\u00e4nemark. Dennoch liegt Deutschland hier noch auf Platz 11 weltweit. Die weltweit schlechte Klimabilanz des Gesundheitssektors, insbesondere auch in Deutschland, verdeutlicht Handlungsbedarf auf vielen Ebenen. Leider stehen die hohen Emissionswerte nicht in direktem Zusammenhang mit einer ges\u00fcnderen Gesellschaft. Ein <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s00103-024-03867-9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktueller Bericht<\/a> im Bundesgesundheitsblatt zur Sterblichkeitsentwicklung zeigt, dass die Sterblichkeit in mittleren und hohen Altersstufen in Deutschland h\u00f6her ist als in anderen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Zudem liegt die Lebenserwartung deutlich unter dem westeurop\u00e4ischen Durchschnitt, wobei sich der Abstand in den letzten Jahren noch verst\u00e4rkt hat.<\/p>\n<h2>Ursachen und Auswirkungen des Ressourcenkonsums<\/h2>\n<p>Fest steht, dass das Gesundheitswesen in der heutigen Form ma\u00dfgeblich zu den Sch\u00e4den an unserer Umwelt beitr\u00e4gt und damit einer gesunden Zukunft f\u00fcr Mensch und Umwelt entgegensteht. Die Auswirkungen f\u00fchren dabei sogar zu einer r\u00fcckwirkenden Belastung des Gesundheitswesens selbst, denn das sich ver\u00e4ndernde Klima wirkt sich zunehmend auf den Gesundheitszustand der Menschen aus. Extreme Temperaturen setzen insbesondere vulnerablen Menschen zu. Das Auftreten und die Ausbreitung neuer Krankheitserreger wird beg\u00fcnstigt und Extremwetterfolgen wie Br\u00e4nde und \u00dcberschwemmungen haben Krankheiten und Verletzungen zur Folge. Die Fachzeitschrift \u00bbThe Lancet\u00ab beschreibt dies ausf\u00fchrlich im aktuellen Report \u00bb<a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/countdown-health-climate\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Countdown on health and climate change<\/a>\u00ab.<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr den hohen Ressourcenverbrauch und die entsprechenden Emissionen sind vielf\u00e4ltig. Der Handlungsdruck erh\u00f6ht sich durch den Fachkr\u00e4ftemangel in Gesundheits- und Pflegeberufen. Hinzu kommt eine alternde Gesellschaft und der damit einhergehende Anstieg der Gesundheitskosten.<\/p>\n<p>Zum einen f\u00e4llt besonders der Energieverbrauch von Krankenh\u00e4usern, Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen ins Gewicht, der durch dauerhaften Betrieb von Beleuchtung, Heizung, K\u00fchlung und medizinischen Ger\u00e4ten entsteht. Weltweit ist der Verbrauch fossiler Brennstoffe die Hauptursache von Emissionen im Gesundheitswesen. Die direkten Emissionen von Gesundheitseinrichtungen haben dabei einen Anteil von 17 %.<\/p>\n<h4>Zu den Emissionen kommt viel Abfall durch Einwegprodukte<\/h4>\n<p>Die durchschnittliche Abfallproduktion einer Klinik in Deutschland lag <a href=\"https:\/\/www.abfallmanager-medizin.de\/themen\/krankenhausabfaelle-abfaelle-aus-der-humanmedizinischen-oder-tieraerztlichen-versorgung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2017 bei 7 bis 8 Tonnen pro Tag und belief sich hochgerechnet auf alle Krankenh\u00e4user auf j\u00e4hrlich 4,8 Millionen Tonnen<\/a>. Hinzu kommen Abf\u00e4lle aus anderen Gesundheitseinrichtungen wie Pflegeheimen und \u00e4rztlichen Praxen. Eine Ursache f\u00fcr die hohe Menge an Abf\u00e4llen sind Einwegprodukte, welche Mehrfachnutzung und Kreislaufwirtschaft ersetzt haben. Oftmals werden Textilien, Kunststoffgegenst\u00e4nde und selbst Instrumente aus Metall wie Pinzetten, Scheren, Laryngoskope etc. nur einmalig genutzt und dann entsorgt. Verbunden mit der Nutzung von Einwegprodukten sind auch die Emissionen, die bei der Produktherstellung und -entsorgung entstehen. So kommt der Report \u00bbHealth Care\u2019s Climate Footprint\u00ab zu der Bilanz, dass weltweit etwa 71 % der Emissionen im Gesundheitswesen durch Prozesse wie Produktion, Transport und Entsorgung von Waren und Dienstleistungen entstehen.<\/p>\n<p>Weitere Ursachen sind Transport- und Fahrtwege f\u00fcr Personal und Patient*innen, die Produktion von Arzneimitteln und Ger\u00e4ten, spezifische Emissionen durch Narkosegase und der mit dem wachsenden Gesundheitssektor verbundene steigende Ressourcenbedarf.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, wie diesen Entwicklungen entgegengewirkt werden kann und welche Ma\u00dfnahmen notwendig sind.<\/p>\n<h2>Klimaneutral bis 2030?<\/h2>\n<p>Der Report \u00bbHealth Care\u2019s Climate Footprint\u00ab geht auf verschiedene Handlungsebenen ein, die notwendig sind, um bis 2050 eine Klimaneutralit\u00e4t des Gesundheitssektors zu erlangen. In Deutschland haben sich bereits 2021 die Abgeordneten auf dem <a href=\"https:\/\/www.bundesaerztekammer.de\/presse\/aktuelles\/detail\/aerztetag-fuer-klimaneutralitaet-des-gesundheitswesens-bis-2030\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00c4rztetag darauf verst\u00e4ndigt, dass das deutsche Gesundheitswesen bis 2030 klimaneutral werden soll<\/a>. Auch sie geben Handlungsempfehlungen zum Erreichen dieses Ziels insbesondere f\u00fcr Krankenh\u00e4user und Arztpraxen. Im Abschlussbericht des Umweltbundesamts von 2021 wurden der Rohstoffkonsum des deutschen Gesundheitssektors ausf\u00fchrlich analysiert und es wurden vier Handlungsfelder identifiziert: Arzneimittel, Medizinprodukte, Bauen, Lebensmittel- und Getr\u00e4nkeversorgung. Eine signifikante Reduzierung der Emissionen in allen Bereichen ist notwendig. Es wird in den Berichten einerseits an die Verantwortung des Gesundheitssektors als solchen appelliert und au\u00dferdem unterstrichen, dass eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit von Gesundheitseinrichtungen, -systemen und Ministerien mit Hersteller*innen und Lieferant*innen von Gesundheitsg\u00fctern und -dienstleistungen unabdinglich sind.<\/p>\n<h4>Eine Vielzahl an Ma\u00dfnahmen ist notwendig<\/h4>\n<p>Zur Reduzierung der Emissionen sind z.B. der Einsatz kohlenstoffarmer Technologien und nachhaltige Bauweisen bei den Gesundheitseinrichtungen erforderlich. Durch die Nutzung erneuerbarer Energien und klimafreundlicher K\u00fchltechnologien, nachhaltige Abfall-, Wasser- und Transportmanagementsysteme sowie optimierte Lieferketten kann der CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck von Gesundheitseinrichtungen signifikant reduziert werden. Hilfreich sind dabei auch das Bewusstsein und ein Wissenstransfer innerhalb der Leitung und Belegschaft zum Thema Nachhaltigkeit sowie die Berechnung des Fu\u00dfabdrucks der Einrichtung. Im Report \u00bbHealth Care\u2019s Climate Footprint\u00ab wird au\u00dferdem empfohlen, dass die WHO Leitlinien erstellen und Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung des CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdrucks und zur Erh\u00f6hung der Resilienz von Gesundheitseinrichtungen aufzeigen soll. Doch auch auf nationaler Ebene sind politische und rechtliche Rahmenbedingungen, Investitionen und Anreizsysteme notwendig, um den Wandel hin zu nachhaltigeren L\u00f6sungen zu unterst\u00fctzen. Gesundheitsministerien sind in der Pflicht, Aktionspl\u00e4ne zu erstellen und umzusetzen. Dezentralisierte Versorgungsmodelle und pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen ebenfalls helfen, aufwendige und energieintensive Behandlungen zu verringern. Die Telemedizin und andere Technologien sind hierbei unverzichtbar. Auch Patient*innen k\u00f6nnen einen Beitrag leisten. Sie sollten hinsichtlich gesundheits- und klimabewussten Verhaltens aufgekl\u00e4rt werden, insbesondere vulnerable Gruppen. Zudem kann die Verlagerung einer ressourcenintensiven Versorgung klinischer Einrichtungen ins h\u00e4usliche Umfeld, die Nutzung telemedizinischer Angebote und der ePA (elektronische Patientenakte) etc. wichtige Ressourcen sparen.<\/p>\n<h2>Digitale Transformation als Chance f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen<\/h2>\n<p>Digitale Technologien haben in den letzten Jahren im Gesundheitsbereich zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig eingesetzt werden, auch zur Verbesserung der \u00f6kologischen Nachhaltigkeit. Intelligente Steuerungssysteme k\u00f6nnen bspw. genutzt werden, um den Energieverbrauch von Geb\u00e4uden oder Fertigungsverfahren zu optimieren. Aber auch andere Ressourcen k\u00f6nnen durch IoT-Sensoren und intelligente Planungssysteme schonender eingesetzt werden. Trotz vieler guter Anwendungen stehen \u00f6kologische Nachhaltigkeit und Digitalisierung in einem Spannungsfeld zueinander. Einerseits spielen digitale L\u00f6sungen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von nachhaltigem Handeln, andererseits verbrauchen die Nutzung und Bereitstellung dieser Technologien selbst viele Ressourcen und verursachen Emissionen. Nach einer <a href=\"https:\/\/www.kfw.de\/PDF\/Download-Center\/Konzernthemen\/Research\/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft\/Fokus-2021\/Fokus-Nr.-341-August-2021-Klimaschutz_Digitalisierung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie des KfW Research<\/a> k\u00f6nnen 4 % der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland der Digitalisierung zugeordnet werden. Dennoch lohnt es sich, diese noch auszuweiten und voranzutreiben. Eine gro\u00df angelegte aktuelle <a href=\"https:\/\/www.bitkom.org\/Bitkom\/Publikationen\/Studie-Klimaeffekte-der-Digitalisierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie des Bitkom<\/a> kommt zu dem Ergebnis, dass durch digitale Technologien insgesamt mehr Emissionen eingespart werden k\u00f6nnen als diese verursachen. So besteht das Potenzial, bis 2030 hierdurch 43 \u2013 80 Mio. Tonnen an CO<sub>2<\/sub>-Emissionen einzusparen. Dies entspricht 14 \u2013 26 % des genannten Ziels zum Erreichen der deutschen Klimaziele.<\/p>\n<p>Mit Erw\u00e4gung des beschriebenen Spannungsfeldes sollte jedoch beachtet werden, dass auch die Digitalisierung selbst nachhaltiger gestaltet werden sollte. Hierzu gibt es verschiedene m\u00f6gliche Ansatzpunkte. Zum einen sollten Rechenzentren durch die bevorzugte Nutzung erneuerbarer Energien energieeffizienter arbeiten. Auch Hardware sollte durch die Nutzung langlebiger, recycelter Materialien sowie einer Kreislaufwirtschaft nachhaltig gedacht werden. Bei der Entwicklung von Software und Diensten sollte z.B. darauf geachtet werden, den Datenverkehr so gering wie m\u00f6glich zu halten und Programmcode effizient zu gestalten, um unn\u00f6tige Rechenprozesse zu vermeiden.<\/p>\n<h2>Beispiele f\u00fcr eine Verbesserung der Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens<\/h2>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen stellt sich nun die Frage, durch welche digitalen Anwendungen und Innovationen die \u00f6kologische Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens verbessert werden kann.<\/p>\n<p>Dazu gibt es bereits vielf\u00e4ltige Ans\u00e4tze in unterschiedlichen Bereichen. Gro\u00dfes Einsparpotenzial bei Emissionen bietet die Nutzung von Videosprechstunden, denn hierdurch entfallen viele Anfahrtswege. Diese k\u00f6nnen zwar kurz sein oder mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln stattfinden, besonders im l\u00e4ndlichen Raum sind sie allerdings in der Regel weiter und werden mit dem Auto zur\u00fcckgelegt. Somit kann die vermehrte Nutzung von Videosprechstunden einen positiven Beitrag leisten, insbesondere wenn hierbei erneuerbare Energien zur Stromerzeugung genutzt werden. Zus\u00e4tzlich spart sie den Patient*innen auch noch Zeit. Der Bitkom prognostiziert bis 2030 eine Einsparung von 400.000 Tonnen CO<sub>2 <\/sub>\u00a0durch Telemedizin und rund 6.000 Tonnen CO<sub>2<\/sub> durch die ePA (elektronische Patientenakte). Diese Entwicklungen sollen u.a. durch die Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums f\u00fcr Gesundheit vorangetrieben werden.<\/p>\n<p>Gute M\u00f6glichkeiten bietet auch die Optimierung von Krankenhaus- und Praxisabl\u00e4ufen. Durch die Nutzung KI-gest\u00fctzter Ressourcen- und Materialmanagementsysteme kann eine effizientere Energienutzung, ein geringerer Materialverbrauch und eine Verringerung des Abfalls erreicht werden.<\/p>\n<p>Des Weiteren nutzen digitale Datenwege sowohl der Umwelt als auch der Effizienz und Zuverl\u00e4ssigkeit von Abl\u00e4ufen im Gesundheitswesen. H\u00e4ufig m\u00fcssen Daten, Berichte oder Briefe ausgedruckt und versandt werden. Daf\u00fcr m\u00fcssen B\u00e4ume zur Papierherstellung gerodet werden, und durch die Transportwege wird CO<sub>2<\/sub> freigesetzt. Der digitale Weg ist hierbei schneller und ressourcenschonender. F\u00fcr den einfachen Austausch von Daten zwischen bspw. Krankenhausinformationssystemen ist der digitale Weg zudem weniger fehleranf\u00e4llig, da die Daten nicht mehrfach manuell eingepflegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Verwendung KI-gest\u00fctzter Tools zur Fr\u00fcherkennung und Pr\u00e4vention von Krankheiten bietet ebenfalls gro\u00dfes Potenzial. Dies k\u00f6nnen z.B. entsprechende <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/blog\/digitale-gesundheitsanwendungen-zwischenfazit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)<\/a>\u00a0oder <a href=\"https:\/\/www.iese.fraunhofer.de\/de\/leistungen\/digitaler-zwilling.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digitale Patient*innen-Zwillinge<\/a> sein. F\u00fcr solche Gesundheitsanwendungen werden bspw. Vitalparameter durch Wearables aufgezeichnet und KI-gest\u00fctzt ausgewertet, um auff\u00e4llige, gesundheitsrelevante Muster zu erkennen. Daraufhin werden Warnungen oder Handlungsempfehlungen gegeben. Digitale Patient*innen-Zwillinge basieren auf demselben Prinzip, beinhalten aber ein m\u00f6glichst umfassendes Bild unterschiedlicher Daten aus der gesamten Gesundheitsgeschichte einer Person. Sie k\u00f6nnen somit ganzheitliche und genauere Vorhersagen treffen. Auf diese Weise k\u00f6nnen Fr\u00fcherkennungs- und Pr\u00e4ventionstools letztendlich die Anzahl und Schwere von Erkrankungen verringern. Damit wird das gesamte Gesundheitssystem entlastet und lange Behandlungen oder Krankenhausaufenthalte, die einen gro\u00dfen Ressourcenverbrauch und hohe Treibhausgasemissionen verursachen, k\u00f6nnen verringert werden.<\/p>\n<p>Wir sehen, dass die \u00f6kologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen einer dringenden Verbesserung bedarf. Die Digitalisierung bietet hierf\u00fcr vielseitige M\u00f6glichkeiten, deren Potenzial bisher nicht ausreichend genutzt wird, obwohl oft nicht nur die Umwelt davon profitieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nur eine nachhaltige Welt ist eine gesunde Welt \u2013 die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.<\/p>\n<div class=\"info-box\">\n<h2>Kurz\u00fcberblick: \u00d6kologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen<\/h2>\n<p>\u00d6kologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen bedeutet, Gesundheitsdienste und damit verbundene Prozesse so zu gestalten und zu betreiben, dass sie langfristig die nat\u00fcrlichen Ressourcen und \u00d6kosysteme erhalten.<\/p>\n<p>Dies umfasst unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ressourcenschonung und Abfallvermeidung<\/strong><\/li>\n<li><b>Emissionsminimierung<\/b><\/li>\n<li><strong>Pr\u00e4vention und Gesundheitsbildung<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ziel ist es, die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung zu f\u00f6rdern, ohne die Umwelt zu belasten oder zuk\u00fcnftige Generationen zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<\/div>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>[1] K. Ostertag, T. Bratan, C. Gandenberger, B. H\u00fcsing, M. Pfaff (Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe) Im Auftrag des Umweltbundesamtes (2021). &#8222;Abschlussbericht Ressourcenschonung im Gesundheitssektor &#8211; Erschlie\u00dfung von Synergien zwischen den Politikfeldern Ressourcenschonung und Gesundheit&#8220;, TEXTE 15\/2021 Ressortforschungsplan des Bundesministeriums f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Forschungskennzahl 3717 31 104 0, FB000467<\/p>\n<p>[2] Health Care Without Harm: J. Karliner, S. Slotterback, Arup: R. Boyd, B. Ashby, K. Steele (2019). &#8222;Health Care\u2019s Climate Footprint, How the Health Sector Contributes to the Global Climate Crisis and Opportunities for Action&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltigkeit ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit \u2013 auch im Gesundheitswesen. 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