Smart Ecosystems

Die Zukunftsvision »Digitale Gesellschaft 2.0« geht davon aus, dass alle betrieblichen, privaten und gesellschaftlichen Aktivitäten und Dienstleistungen in Zukunft durchgängig und ohne Medienbrüche durch softwarebasierte Systeme unterstützt werden, und dass durch die Integration unterschiedlichster Anwendungen weitere, völlig neue Synergien geschaffen werden können. Der über fast alle Domänen hinweg zu beobachtende Trend geht in Richtung einer kompletten Integration aller Systeme in intelligente Ökosysteme, die von einem gemeinsamen Ziel vorangetrieben kundenspezifische Lösungen unternehmensübergreifend anbieten. Diese »Smart Ecosystems« brechen ehemalige Insellösungen für die Steuerung von Geschäftsprozessen und technischen Prozessen auf und lassen sie in einer integrierten Gesamtlösung konvergieren. Gute Beispiele für diesen Trend lassen sich überall finden, ob sie nun Smart Energy, Smart Health, Smart Mobility, Smart Farming oder Smart Production – auch unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bekannt – heißen.

Ein konkretes Anwendungsfeld für Smart Ecosystems am Fraunhofer IESE ist das Projekt »Digitale Dörfer«, in dem Systemlösungen für den Bau solcher Ökosysteme am Beispiel des ländlich geprägten Raums evaluiert werden.

Welcher Nutzen erschliesst sich für Unternehmen aus Smart Ecosystems?

Sind Unternehmen für die Herausforderungen der Smart Ecosystems gut aufgestellt, so werden sie unterschiedliche Vorteile am Markt erzielen können. Durch neue Produkte und Geschäftsmodelle erobern sie sich neue Märkte und werden als innovative Unternehmen im Markt wahrgenommen. Sie sichern sich ihre Anteile im existierenden Markt. Neuen Mitspielern im existierenden Markt, welche ggf. aus anderen Branchen in den eigenen Zielmarkt eindringen wollen, können sie geplant begegnen. Voraussetzung dafür ist, dass die Unternehmen ihre existierenden Produkte, aber auch Entwicklungsmethoden an die Gegebenheiten von Smart Ecosystems anpassen.

Wie stelle ich mich dafür geeignet auf?

Doch wie müssen sich Unternehmen zukünftig aufstellen, um diesen Trend für sich nutzbar zu machen und erfolgreich am Markt agieren zu können? Um sich für die Herausforderungen geeignet aufstellen zu können, müssen sich Unternehmen in verschiedenen Bereichen verstärken:

»Need for Partnering«

Ein Kernelement einer erfolgreichen Strategie liegt darin, dass man damit beginnt, über die eigenen Unternehmensgrenzen hinweg zu denken, unternehmensübergreifende Geschäftsmodelle aufzubauen und Synergien zu nutzen. Der Fitness-Check des Fraunhofer IESE, dem Fraunhofer Ecosystem Assessment unterstützt Organisation dabei, ihre Fähigkeiten in Bezug auf Smart Ecosystems zu überprüfen und entsprechende Exzellenzgebiete nachhaltig im Unternehmen zu verankern.

»Need for Creativity & Speed«

Ein weiteres Kernelement einer erfolgreichen Strategie liegt aber auch darin, dass man es schafft, kontinuierlich neue unternehmensübergreifende Ideen und Innovationen zu generieren und diese schnell in Bezug auf ihre Tragfähigkeit hin zu untersuchen und auf den Markt zu bringen. Hinsichtlich des Einsatzes von Kreativitätstechniken ist häufig zu sehen, dass vielen Unternehmen der Mut fehlt, diese systematisch zu nutzen. Das kreative Potenzial der Belegschaft wird hierbei nur unzureichend genutzt. Weiterhin kann durch Crowdsourcing der Ideenreichtum der aktuellen und zukünftigen Endnutzer erschlossen werden. Kreativität ist kein Zufall und kann durch den Einsatz von systematischen Methoden gezielt und effizient gelenkt werden.

Doch wann haben Ideen Potenzial? Mit gezielten Potenzialanalysen wie beispielsweise der Mobilitätspotenzialanalyse, der Big-Data-Potenzialanalyse oder der SES-Potenzialanalyse bewertet das Fraunhofer IESE, welche Potenziale für innovative Modelle sich für ein Unternehmen erschließen lassen.

In Bezug auf das Thema Geschwindigkeit ist oft zu sehen, dass viele Unternehmen es verstehen, hochwertige Produkte zu erstellen, ihnen jedoch häufig die Fähigkeit fehlt, Ideen schnell umzusetzen bzw. zu evaluieren. Zusätzlich ist eine große Zurückhaltung erkennbar, wenn es darum geht, neue Konzepte wie Cloud und DevOps umzusetzen, die eine schnelle Entwicklung ermöglichen würden. Erfolgreiche Unternehmen besitzen sowohl die Fähigkeit, revolutionär schnell zu entwickeln, als auch stabil und reif langfristige Entwicklungszyklen zu fahren.

Das Fraunhofer Ecosystem Assessment (FEA)

Was heißt Reife von Entwicklungsprozessen im Kontext von Smart Ecosystems? Ist es klassisches CMMI oder ist da noch mehr? Nach Ansicht des Fraunhofer IESE müssen sich Unternehmen hier grundsätzlich anders aufstellen und Exzellenzen in Gebieten nachweisen, die von etablierten Reifegradmodellen normalerweise außer Acht gelassen werden. Wann ist ein Unternehmen reif für ein Smart Ecosystem? Möchte man ein Ökosystem treiben oder daran teilnehmen? Dies beginnt im Kern mit einem tragfähigen Geschäftsmodell und einer soliden technischen Grundlage in Bezug auf die eingesetzte Plattform und die Infrastruktur (technical linchpin). Die Organisation muss in der Lage sein, eine für das Geschäftsmodell tragfähige, aber auch technische Vision und Strategie aufzubauen und diese vom Engineering über die Operation bis hin zur Governance auch auszurollen. Ein zentrales Element liegt im Partnering mit anderen Organisationen, da die meisten Wertschöpfungen über Unternehmensgrenzen aufgebaut sein werden. Hier stellen sich Fragen wie z.B., welche Player als Partner in Frage kommen, wie man sich als Konsortium aufstellt in Bezug auf Kollaboration und Entwicklung, und wie man aus der Zusammenarbeit effizient lernt. Ein weiterer Bereich sind die Community und die Nutzer des angebotenen Produkts bzw. der Dienste: wie schaffe ich eine Community, wie erweitere und pflege ich diese über die Zeit? In diesem Bereich scheinen die klassischen Internetunternehmen wie Google, Amazon oder Facebook einen guten Schritt voraus zu sein. Und schließlich geht es auch darum, die Wettbewerber im Blick zu haben, deren Aktionen zu beobachten und entsprechend reagieren zu können.