Siemens Health Care
Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE
Ein offenes Ohr für Benutzer – Benutzerzufriedenheit messen und frühzeitig in der Produktentwicklung berücksichtigen
Ein Produkt ist erfolgreich, wenn Benutzer damit zufrieden sind – das gilt für Hardware, Software oder softwarebasierte Systeme gleichermaßen. So tragen Funktionstüchtigkeit, Serviceleistungen seitens des Herstellers oder der so genannte »Spaßfaktor« wesentlich zur Käufergunst bei. Im Rahmen des Kooperationsprojektes »Quality in Use« wurde im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit der Siemens AG Corporate Research & Technology der Ansatz AMUSE – Appraisal and Measurement of User Satisfaction entwickelt. Zentrales Ziel war es, die abstrakte Größe der Benutzerzufriedenheit zu erheben, zu beobachten und schon möglichst früh im Produktlebenszyklus zu berücksichtigen.
In aktuellen Arbeiten konnte AMUSE nunmehr in erweiterter Kooperation mit der Siemens Audiologische Technik (Siemens MED SAT) in Erlangen erprobt werden. Kernstück von AMUSE ist ein Fragebogen, mit dem die Benutzerzufriedenheit früh im Produkt-(Versions-) Lebenszyklus analysiert und während des gesamten Lebenszyklus’ beobachtet werden kann. Mit Hilfe des AMUSE-Fragebogens wurden zunächst die vom Benutzer wahrgenommenen Produkteigenschaften für das aktuelle Testobjekt, z.B. eine Computersoftware, gemessen. Um als unzulänglich wahrgenommene Eigenschaften für ein neues Release zu verbessern, wurden dann die Produktmerkmale bezüglich ihres Beitrags zu den Produkteigenschaften abgeschätzt. Dies geschah mittels bereits vorhandener Dokumente oder Prototypen mit Hilfe der AMUSE-Schätz- und Zählmethode. So entstand eine Priorisierung, mit deren Hilfe genau diejenigen Features ausgewählt werden können, die am stärksten zur gewünschten Produktverbesserung beitragen. Folgende Aussagen konnten durch die praktische Erprobung von AMUSE in der Praxis gewonnen werden:
- Die Ergebnisse der Messung und Schätzung ermöglichen eine fundiertere (objektivere) Entscheidung bei der Featurepriorisierung.
- Durch AMUSE ist eine gezielte Optimierung des Kundennutzens möglich.
- Die Schätzung der Produktmerkmale hinsichtlich ihres Beitrags zur Produktqualität stellt ein formales Prüfkriterium im Sinne eines »Quality Gates« für die zu Grunde liegenden Anforderungsdokumente dar.
- Durch Zufriedenheitsmessungen mittels Fragebogen ist der unmittelbare, transparente Rückschluss auf die vom Nutzer wahrgenommene Produktqualität möglich (White-Box-Test).
- Strategische Überlegungen und Roadmapping werden durch AMUSE gut unterstützt, der Vorgang ist jedoch nicht automatisierbar.
- Die Kommunikation mit dem Management eines Unternehmens wird durch das AMUSE-Profil erleichtert. Es sind weniger Änderungen bei den Produkteigenschaften (Feature Changes) während der Entwicklung zu erwarten.
- Erfasste Zusatzinformationen zu Produkteigenschaften können Entwickler hinsichtlich Zielen wie beispielsweise Performanzerhöhung, Spaß bei der Arbeit oder dergleichen leiten.
Nach erfolgreicher Pilotierung wird AMUSE derzeit in weiteren Projekten eingesetzt, um mehr Erfahrungen und Daten mit der Methode zu sammeln. Gleichzeitig werden die unterstützenden Werkzeuge fortlaufend verbessert.



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